Cap. 1.
Zweckmäßige Handlungen associirt. fll
druck von hoher Bedeutung sind, so muß der Gegenstand hier mitetwas Ausführlichkeit besprochen werden. Wir werden auch sehen,daß etliche derselben in Handlungen übergehen oder kaum von solchenunterschieden werden können, welche durch Gewohnheit erworbenworden sind 9 . Husten und Niesen sind geläufige Beispiele von Reflex-thätigkeiten. Bei kleinen Kindern ist der erste Act der Athmunghäufig ein Niesen, obschon dies die coordinirte Bewegung zahlreicherMuskeln erfordert. Das Athemholen ist zum Theil willkürlich, aberhauptsächlich eine Reflexbewegung und wird in der natürlichsten undbesten Art und Weise ohne das Hinzutreten des Willens ausgeführt.Eine sehr große Zahl complicirter Bewegungen sind reflectoriscli. EinBeispiel, wie es kaum besser gegeben werden kann, ist das oft an-geführte von einem enthaupteten Frosche, welcher natürlich nichtfühlen und keine Bewegung mit Bewußtsein ausführen kann. Bringtman aber einen Tropfen Säure auf die innere Oberfläche des Schenkelsbei einem Frosche in diesem Zustande, so reiht er den Tropfen mitder obern Fläche des Fußes derselben Seite wieder ab. Wird dieserFuß abgeschnitten, so kann er diese Handlung nicht ausführen. „Nach„einigen fruchtlosen Anstrengungen gibt er daher den Versuch auf„diese Weise auf, erscheint unruhig, als oh er, wie P-flüger sagt,„irgend eine andere Weise aufsuchte, und schließlich gebraucht er„den Fuß der andern Seite; und dadurch gelingt es ihm, die Säure„wegzureiben. Offenbar haben wir hier nicht bloß Zusammenziehungen„von Muskeln vor uns, sondern combinirte und harmonische Con-„tractionen in gehöriger Aufeinanderfolge zur Erreichung eipes spe-ziellen Zwecks. Dies sind Handlungen, welche ganz die Erscheinung„darbieten, als würden sie durch den Verstand geleitet und durch den„AVillen angeregt, und zwar bei einem Thiere, dessen anerkanntes„Organ der Intelligenz und des Willens entfernt worden ist 10 .“
Den Unterschied zwischen Reflexthätigkeiten und willkürlichenBewegungen sehen wir bei sehr jungen Kindern daran, daß sie, wiemir Sir Henry Holt.and mitgetheilt hat, nicht im Stande sind, ge-
0 Professor Huxley bemerkt (Grundzüge der Physiologie etc. von Rosen-thal, 1871, S. 289), daß die dem Rückenmarke eigenen Reflexthätigkeiten natür-liche sind, daß 'wir aber mit Hülfe des Gehirnes, das heißt also durch Gewohn-heit, eine Unzahl künstlicher Reflexthätigkeiten erlangen können. Virchownimmt an (Sammlung Wissenschaft!. Vorträge u. s. w. Uber das Rückenmark, 1871,S. 24, 31), daß einige Reflexbewegungen kaum von Instincten unterschieden werdenkönnen; und in Bezug auf letztere kann hinzugefügt werden, daß einige von ihnenwiederum nicht von vererbten Gewohnheiten unterschieden werden können.
10 Dr. Maudsley, Body and Mind. 1870, p. 8.