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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
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Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.

Cap. 1.

Der gemeine Mann kratzt sich häufig den Kopf, wenn er inVerlegenheit kommt; und ich glaube, daß er aus Gewohnheit sohandelt, als wenn er eine unbedeutende, unangenehme körperlicheEmpfindung erführe; ein Jucken am Kopfe, dem er besonders aus-gesetzt ist, erleichtert er nämlich dadurch etwas. Ein Anderer reibtsich die Augen, wenn er in Verwirrung geräth, oder hustet kurz,wenn er verlegen ist, wobei er in beiden Fällen so handelt, als ober eine etwas unbequeme Empfindung in seinen Augen oder in seinerLuftröhre fühlte 6 .

Tn Folge des beständigen Gebrauches der Augen werden dieseOrgane ganz besonders leicht durch Association unter verschiedenenSeelenzuständen beeinflußt, obschon offenbar nichts zu sehen ist.Wie Geatiolet bemerkt, wird ein Mensch, welcher eine ausgesprocheneAnsicht heftig zurückweist, beinahe mit Sicherheit seine Augenschließen oder sein Gesicht abwenden; nimmt er aber den Satz an,so wird er als Bejahung mit dem Kopfe nicken und seine Augenweit öffnen. In dem letztem Falle handelt er so, als wenn er dieSache ganz deutlich sähe, im erstem Falle, als ob er sie nicht säheoder nicht sehen wollte. Ich habe bemerkt, daß, wenn Personeneinen schrecklichen Anblick beschreiben, sie häufig ihre Augen fürAugenblicke fest schließen oder ihren Kopf schütteln, gleichsam, umirgend etwas Unangenehmes nicht zu sehen oder hinweg zu scheuchen;und ich habe mich selbst dabei ertappt, daß, wenn ich im Dunkelnan ein schaudererregendes Schauspiel dachte, ich die Augen fest zu-drückte. Sieht man plötzlich auf irgend einen Gegenstand oder siehtman sich rings umher um, so hebt man seine Augenbrauen in dieHöhe, damit die Augen schnell und weit geöffnet werden können.Dr. Duchenne macht die Bemerkung 7 , daß, wenn eine Person sichauf Etwas zu besinnen versucht, sie häufig die Augenbrauen indie Höhe zieht, als wenn sie das Gesuchte sehen wollte. Ein ge-bildeter Hindu machte dieselbe Bemerkung gegen Mr. Ebskine inBezug auf seine Landsleute. Ich bemerkte, wie eine junge Dame,welche eifrig versuchte, sich des Namens eines Malers zu erinnern,zuerst nach der einen Ecke der Zimmerdecke und dann in die ent-gegengesetzte Ecke hinaufsah, wobei sich die Augenbraue der be-

Gratiolet führt bei seiner Erörterung dieses Gegenstandes (De la Phy-sionomie, p. 324) viele analoge Beispiele an. So z. B. s. p. 42, über das Offnenund Schließen der Augen. Engel wird (p. 323) citirt in Betreff der verändertenGangart des Menschen, je nachdem die Gedanken sich ändern.

7 Mecanisme de la Physionomie Humaine. 1862. p. 17.