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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Entstehung
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22 Einleitung.

haben, bestimmte Muskeln im Gesichte eines alten Mannes, dessenHaut wenig empfindlich war, und rief dadurch verschiedene Ausdrucks-arten hervor, welche in einem großen Maßstabe photographirt wurden.Glücklicherweise fiel es mir ein, mehrere der besten Tafeln ohne einWort der Erklärung mehr als zwanzig gebildeten Personen verschie-denen Alters und beiderlei Geschlechts zu zeigen und diese in jedemeinzelnen Falle zu fragen, von welcher Seelenbewegung oder vonwelchem Gefühl der alte Mann ihrer Vermuthung nach wohl erregtsei; die Antworten, die ich erhielt, notirte ich mir mit den von ihnengebrauchten Worten. Mehrere dieser Ausdrucksfonnen wurden vonbeinahe jeder Person augenblicklich erkannt, wenn sie auch nicht mitgenau denselben Worten beschrieben wurden, und ich glaube, daßman diese als naturgetreu anselien kann; ich werde sie später einzelnanführen. Auf der andern Seite wurden in Bezug auf einige der-selben die allerverschiedensten Urtheile geäußert. Dieses Vorzeigenwar noch in einer andern Art von Nutzen, da es mich überzeugte,wie leicht wir von unserer Einbildung irregeführt werden können; dennals ich zum ersten Male Dr. Duohkxnns Photographien durchsah undgleichzeitig den dazu gehörigen Text las, wobei ich erfuhr, was dar-zustellen beabsichtigt worden war, wurde ich von der Wahrhaftigkeitaller, mit nur wenig Ausnahmen, mit Bewunderung erfüllt. Wennich aber dieselben ohne Erklärung durchgesehen hätte, so würde ichdemungeachtet ohne Zweifel ebenso sehr in manchen Fällen in Ver-wirrung gerathen sein, wie es anderen Personen ergangen ist.

Viertens hatte ich auch gehofft, von den großen Meistern derMalerei und Bildhauerkunst, welche so aufmerksame Beobachter sind,eine große Hülfe zu erhalten. Ich habe daher Photographien undKupferstiche vieler allgemein bekannter Kunstwerke genau betrachtet,habe aber, mit 'wenig Ausnahmen, dadurch keinen Vortheil. erlangt.Der Grund hiervon ist ohne Zweifel der, daß bei Werken der Kunstdie Schönheit das hauptsächlichste, oberste Ziel ist; und stark contra-hirte Gesichtsmuskeln zerstören die Schönheit 19 . Die der Compositionzum Ausgangspunkte dienende Geschichte wird meistens durch ge-schickt. angebrachte Nebendinge mit wunderbarer Kraft zur Dar-stellung und zum Ausdrucke gebracht.

Fünftens schien es mir von großer Bedeutung zu sein, zu er-mitteln, ob dieselben Weisen des Ausdrucks, dieselben Geberden beiallen Menschenrassen, besonders bei denjenigen, welche nur wenig mit

19 s. Bemerkungen hierüber in Lessings Laokoon.