300 Buch VIII. Zwölftes Hauptstück.
Neuwied wurde in Eilmärschen vom rechten auf den linkenprcussischen Flügel gezogen und der Angriff auf den 21stcnfestgesetzt. Als bereits Alles vorbereitet war und einengünstigen Erfolg hoffen ließ, erhielt der König die Nach-richt, daß Katharina am 9. Juli ihren Gemahl entthrontund Czcrnitschcw ohne Rücksicht auf Prcussen befohlen habe,unverzüglich zurückzumarschircn. Es war ein Donncrschlagfür den König, der besorgt sein mußte über den Weg, wel-chen die Kaiserin Katharina cinschlagcn würde. Diese hattenämlich in ihrem ersten Manifeste vom 9. Juli, durch wel-ches sic den Antritt ihrer Regierung kund that, dem KaiserPeter vorgeworfcn, daß er die mit vielem Blute durch sieg-reiche Waffen zur höchsten Stufe gebrachte StaatsehreRußlands durch den neulich geschlossenen Frieden mit dessenärgstem Feinde unter die Füße getreten '). Der Fcld-marschall Soltikof erhielt Befehl auf Prcussen ein wach-sames Auge zu haben. Katharina hatte Ursache auch ihrer-seits besorgt zu sein vor dem Heere in Deutschland unddem Corps von Czcrnitschcw, welches sich, angcrcizt vonFriedrich II., hätte für Peter erklären können.
Der König bewog Czcrnitschcw seinen Abmarsch umdrei Tage zu verzögern, auch den Ocstcrrcichern keine Nach-richt von den Ereignissen in Rußland zu gebend und sichden 2Isten den Ocstcrrcichern gegenüber aufzustellen, wennauch ohne Thcil an dem Kampfe zu nehmen. Das hinderteDaun, seinen angegriffenen rechten Flügel besser zu unter-stützen.
Der Kampf, vorzüglich um die Höhen von Burkers-dorf, war äußerst heftig. Der König verlangte, daß sicgenommen würden, cs koste was cs wolle. „Heute," sagteer, „muß cs biegen oder brechen." Möllcndorf zeichnete sichbei Leitung des Angriffes gleichmäßig durch Einsicht undTapferkeit aus. Siebenhundert gefangene Prcussen, welchevon den Oefterrcichern Dienste zu nehmen gezwungen wor-den waren, gingen zu ihren Landsleuten über. Die Oester-
1) Biographie Peters HI., II. Beil. lj. S. 264.
1) Daun erhielt die Nachricht erst am 24sten.