Fall von Kolberg. Feldzug in Sachsen. 281
die Ordnung wicdcrherzustellen. Die einzelnen Abtheilungendes Heeres unter Schenkcndorf und Platen trennten sich vondem Prinzen, der es nur der Lässigkeit der Russen bei seinerVerfolgung verdankte, daß er sich noch, obwol mit ansehn-lichem Verluste, nach Stettin zurückziehen konnte. Kolberg,ohne Hoffnung des Entsatzes, mußte sich, durch Mangel anLebensmitteln und Schicßbcdarf gezwungen, mit seiner noch 16. D«.3000 Mann starken Besatzung, von welcher 1800 dienstfä-hig waren, ergeben.
In Sachsen hatte der König, wie wir sahen, den Prin-zen Heinrich mit 30,000 Mann zurückgelasien und ihmhauptsächlich aufgegcbcn, Sachsen gegen Daun zu behaup-ten, wenn aber dieser nach Schlesien ginge, Hülsen miteiner Abthcilung in Sachsen zu lassen und mit dem Haupt-heere zum Könige in Schlesien zu stoßen. Weil nun derohnehin sehr vorsichtige Prinz allerdings nicht nur den70,000 Mann starken Daun um Dresden, sondern auch das15—20,000 Mann starke Rcichsheer im Reussischen und imVogtlande unter Serbelloni gegen sich hatte, diese und auchdie Franzosen von Streifereien durch den Saalkreis und dasHalbcrstädtische abhalten und im Nothfalle auch auf Russenund Ocsterreichcr, wenn sie Berlin bedrohten, ein Auge ha-ben sollte, so erbat er sich und erhielt vom Könige noch be-sondere genaue Verhaltungsbefehlc über einzelne Punkte').
Die Aufgabe des Prinzen sah in der That weit schwierigeraus als sic war, obgleich sie immerhin viel Geschicklichkeitund Aufmerksamkeit erforderte, um auch unter verhältniß-mäßig günstigen Umständen gelöst zu werden.
Das Rcichsheer war bei seiner fortwährend außer-ordentlich schlechten Beschaffenheit an sich nicht eben furcht-bar; dazu war seine Verpflegung schwierig, da durch dieWintcrstreifzüge die Lebensmittel aufgezehrt oder weggcführt,und eine Thcurung derselben entstanden war; endlich schienüberhaupt von dem ohnehin sehr phlegmatischen Serbelloniunter diesen Umständen wenig zu besorgen. Daun warteteseinerseits die Erfolge der Russen und Laudons ab, den er,
1) 21. u. 28. April bei Schöning III. S. 3S u. 40.