Schlacht bei Licgnitz und deren Folgen. 247
20,000 Mann über die Oder zurückging und dem Königeden Weg nach Breslau offen ließ. Dieser ging über dieKatzbach bei Parchwitz und stellte sich bei Ncumarkt gegenBreslau hin auf. Soltikof, höchst aufgebracht darüber, daßer, von den Ocsterreichern im Stich gelassen, in Gefahr ge-kommen sei vom Könige und dem Prinzen Heinrich zugleichangegriffen zu werden, marschirte über Trachcnbcrg nachHcrrnstadt. Der König hatte mit seinem gegen 30,000Mann starken Heere immer noch Daun mit 60,000 Mannund Laudon, der begierig war die Scharte von Liegnitz aus-zuwctzen, mit etwa 20,000 Mann gegen sich. Er glaubte,die Russen würden nun völlig nach Polen zurückgehn, ließsie durch den General Golz mit 10—t2,000 Mann beobachtenund Glogau decken, und rief seinen Bruder mit den übrigen22—23,000 Mann nach Breslau zurück. Er war sehr un-zufrieden mit diesem und hatte ihm daher schon den 9. Au-gust, auf die Aeußerung, daß er den Oberbefehl niedcrzu-legcn wünsche, sehr ernst geschrieben: „Es ist nicht schwerLeute zu finden, die dem Staate in glücklichen Zeiten die-nen; gute Bürger sind aber diejenigen, welche dem Staatein kritischen und unglücklichen Zeiten dienen. Einen be-gründeten Ruhm erlangt man durch Ausführung schwierigerDinge; je mehr sie es sind, um so mehr ehren sie. Ich kanndarum kaum glauben, daß Du mir im Ernste geschrieben hast.Sicherlich können wir beide nicht verantwortlich für den Aus-gang bei den jetzigen Umständen sein; aber sobald wir alleswerden gethan haben, was wir vermochten, wird unser ei-genes Gewissen und die Welt uns Gerechtigkeit widerfahrenlassen." Er setzte ihm dann auseinander, in welcher Lageer sich Daun gegenüber befinde, und daß sich alles in wenigTagen entscheiden werde: „Wir werden," fährt er fort, „fürEhre und Vaterland streiten, und Jeder wird sein Möglichstesthun für den günstigen Erfolg. Die Ucbermacht der Zahl unsererFeinde erschreckt mich nicht; doch kann ich für den Ausgangnicht stehen')." Der Prinz, den cs verdroß, daß der Königunzufrieden über die wenig nachdrückliche Verfolgung der