Die Russen in Polen.
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er als Besiegter dem Sieger bald wieder gleich furchtbarentqegentrat. Er wußte schon seit einem Monate von demAnmarsche der Russen, deren Langsamkeit ihm Zeit ließ,Schlesien zu gewinnen. Seine Lage würde verzweiflungsvollgewesen sein, wenn die Russen unter Fermor den Feldzugdrei Monate früher eröffnet und überhaupt den Krieg plan-mäßig und kräftig geführt hätten. Sie waren unterdessen,ohne sich daran zu kehren, daß Polen keinen Antheil an demKriege nahm, dennoch völlig ungehindert durch dieses seitlangjähriger Auflösung seiner inncrn Ordnung seinem Un-tergänge sich nähernde Land gezogen. Der russische Groß-kanzler Woronzof hatte dem polnischen Krongroßfeldherrn 3. Aprilals Antwort auf dessen Beschwerden über die Besetzung vonElbing und Thorn fast höhnisch bemerkt, daß die HerrenPolen fast einstimmig zugäben, der Zug der russischen Trup-pen durch Polen sei unvermeidlich, und daß sie selbst denLanden ihres Königs zu Hülfe eilen würden, wenn ihr Zu-stand ihnen solches erlaubte. Die Kaiserin könne daher nichtglauben, daß die Polen geneigt wären durch die geringsteWidersetzlichkeit gegen das Einrücken der Russen das Gegen-theil von so edcln Gesinnungen darzuthun'). Die Russenhatten sogar versucht Danzig zur Aufnahme von 6000 Mannrussischer Besatzung und zur Uebergabe der Außenwcrke zubewegen. Als aber die Danzigcr, auch durch die preussischcnMinister in Berlin dazu gereizt^), Anstalt zur Gegenwehrmachten, standen sie von ihrer Forderung ab^). Gegen Endedes Mai überschritten sie die Weichsel und besetzten im AnfängeJuli Posen, während ihre leichten Truppen bereits bis Glogaustreiften. Sie hatten von den Vorthcilcn, welche durch dieRichtung einer Operationslinie erlangt wird, keine Idee, son-dern folgten langsam, wie wilde wandernde Völkerschaften, demLaufe der Ströme und hielten als Hauptaugenmerk die Mit-tel sich zu ernähren fest. Daher fehlte auch wol bei einer
1) Zn der Kriegskanzlei von 1758, II. S. 49. Preußen arbeitete inPolen sonst ohne Erfolg den Russen entgegen.
2) Kriegskanzlei von 1758, II. S. 53.
3) Schreiben an den Prinzen Heinrich vom 12. und 14. April 1758bei Henckel II. S. 73 fg.
Stenzel, Gesch. d. Preussisch. Staats. V. 11