Friedrich vor Leulhen.
103
ihres gewählten Postens; alles das, hoffe ich, wird dieHerzhaftigkeit meiner Truppen und die richtige Befol-gung meiner Anordnungen zu überwinden suchen. Ichmuß diesen Schritt wagen, oder es ist Alles verloren.Wir müssen den Feind schlagen, oder uns alle vor seinenBatterien begraben lassen. So denke ich, so werde ichhandeln. Machen Sie diesen meinen Entschluß allen Of-ficicrcn des Heeres bekannt; bereiten Sie den gemeinenMann zu den Austritten vor, welche bald folgen werden.Kündigen Sie ihm an, daß ich mich berechtigt halte un-bedingten Gehorsam von ihm zu fordern. Wenn Sie be-denken, daß Sie Preusscn sind, so werden Sie sich gewißdieses Vorzugs nicht unwürdig machen. Ist aber Einer,der sich fürchtet alle Gefahren mit mir zu theilcn, der kannnoch heute seinen Abschied erhalten, ohne von mir den ge-ringsten Vorwurf zu leiden." Er hielt etwas inne. Eineheilige Stille herrschte. Die Worte des Königs hatten dieBegeisterung aller Zuhörer geweckt; er sah cs an ihren Zü-gen und fuhr dann mit freundlichem Lächeln fort: „Schonim Voraus hielt ich mich überzeugt, daß Keiner von Ihnenmich verlassen würde, ich rechne also ganz auf Ihre treueHülfe und den gewissen Sieg. Sollte ich bleiben und Siefür Ihre geleisteten Dienste nicht belohnen können, so mußcs das Vaterland thun. Gehen Sie in das Lager undwiederholen Sie Ihren Regimentern, was Sie jetzt vonmir gehört haben." Dann von dem Eindrücke, den seineWorte gemacht hatten, überzeugt, sprach er als König:„Das Cavallcrieregiment, welches nicht sogleich, wenn esbefohlen wird, sich unaufhaltsam auf den Feind stürzt, lasseich sogleich nach der Schlacht absitzen und mache es zu einemGarnisonregimente. Das Bataillon Infanterie, das, es treffeworauf es wolle, zu stocken anfängt, verliert Fahnen, Säbelund Borten der Montirung. Nun, meine Herren!" endeteer, „leben Sie wohl; in Kurzem haben wir den Feind ge-schlagen, oder wir sehen uns nicht wieder!"')
Als Friedrich dann gegen Abend durch das Lager rittund sich mit Einzelnen jedes Regiments freundlich untcr-
I) Retzow l. S. 210 ff.