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Buch Vlll. Erstes Hauptstück.
weshalb Preussen sie als Ehrvergessene stark in Anspruch,Frankreich so wie Oesterreich aber in Schutz nahmen, undauch die Capitulation ssclbst für ungültig erklärten. Aller-dings war ihnen in der Capitulation nur für den Fall Un-terhalt verheißen, wenn sie preussische Dienste nähmen; alleinweil sie weder den ihrem Könige geleisteten Eid brechennoch verhungern wollten, so glaubten sie ebenso wie der Kö-nig von Preussen, die Pflicht der Selbsterbaltung entbinde1759 vom gewöhnlichen Herkommen. Später hob der Kaiser so-30. April gar die Capitulation von Pirna auf.
Das war die Folge von Maßregeln, welche aus demdamals bei den Fürsten allgemeinen Mangel an Achtungvor dem sogenannten gemeinen Manne oder dem Volke ent-sprang. Ohne Schonung für die heiligen Gefühle der An-hänglichkeit und Treue, welche man vornehm für Vorurtheilenahm, die keine Rücksichten verdienten, wurde es immer noch,jedenfalls in Beziehung auf den Kriegsdienst, nicht viel bes-ser als cingefangenes Wild betrachtet. Der König von Po-len, der feine sichere Bequemlichkeit auf dem Königstcinehatte, verlangte, ohne sich weiter um das Elend seiner Trup-pen zu bekümmern, daß sie für ihn durch Hunger oderSchwert sterben sollten, und wahrhaft rührend, aber fastebenso sehr einerseits niederdrückcnd als andererseits erhebendist die ausdauernde Treue der Sachsen gegen ihr angestamm-tes Fürstenhaus, das seit mehr als einem halben Jahrhun-derte nicht den geringsten Anspruch darauf hatte geachtetund geliebt zu werden. Der König von Preussen dagegenverlangte, daß die Sachsen für ihn fechten sollten, der ihrVaterland im Frieden überfallen hatte und es systematischaussaugte, den sie daher als einen Fremden und Feind an-sehen mußten, wenn ihnen gleich die Freunde ihres Fürstennoch weit übler mitspielten.
Der König von Polen begab sich nun, von Preussenungehindert, mit einem Gefolge von über 500 Personen nachWarschau. Die Königin, welche in Dresden blieb, verlangtemonatlich 174,000 Thaler, weil soviel in der Kasse vorhan-den, zu ihrem Unterhalte von Friedrich II., der sie aber anihren Gemahl verwies. Die Besoldungen der hohen Solle-