394 Buch VII. Dreizehntes Hauptstück.
desgenofsin Englands sie angriffe; zugleich sollten der Kai-ser als Großherzog von Toskana, der König von Neapelund der Herzog von Parma zum Beitritte cingcladcn wer-den, auch werde weder Oesterreich noch Frankreich währenddes jetzigen Krieges ohne beider Staaten gemeinschaftlicheTheilnahme eine Verpflichtung gegen andere Mächte eingehcnKaunitz hatte durch Lösung des alten Bündnisses zwi-schen England und Oesterreich den König Georg gewisser-maßen gcnöthigt, sich mit Preussen zu verbinden. Dadurchwar denn die alte Verbindung Prcusscns mit Frankreich auf-gehoben worden und der Bund zwischen Oesterreich und Frank-reich zu Stande gekommen. Maria Theresia äusserte bei derUnterzeichnung der Verträge, sie habe noch keinen währendihrer Regierung mit so vergnügtem Herzen unterschrieben').Es war dadurch schon viel, wenn auch nicht Alles für dieVerwirklichung ihrer Entwürfe gegen Preussen gewonnen.Kaunitz kannte den französischen Hof zu genau, um nicht dieHoffnung zu haben, nachdem er ihn bewogen, Oesterreich voreinem möglichen Angriffe Friedrichs zu schützen, werde er ihnauch noch dahin bringen, in die Erniedrigung Preussens znwilligen, vielleicht selbst daran Theil zu nehmen. Er setztkAlles, was er vermochte, daran, nachdem der Krieg zwischenFrankreich und England erklärt worden und Friedrich dadurchgewissermaßen auf sich allein angewiesen war, den lange vor-bereiteten Schlag gegen diesen zu führen.l.756 Er führte die Verhandlungen mit Frankreich sogleichMai. eifrig weiter fort, um dasselbe womöglich dahin zu bringen,Friedrich ganz fallen zu lassen, ja selbst gegen ihn aufzutretcn.Er hatte unmittelbar nach dem Abschlüsse des Bündnissesmit Frankreich diesem den Entwurf eines geheimen Vertragsvorgelegt, vermöge dessen Frankreich seine Zustimmung gebensollte, daß nicht nur ganz Schlesien und Glatz wiedererobert,sondern die Macht des Königs von Preussen noch bedeutendmehr geschwächt werde. Daran sollte Frankreich unmittelbar
1) IVenclc IV. p. 141. Vslori II. p. 61. Die geheimen Artikelbei Gchöll bist, äes Vrsitss 1. IV. p. 19 aus Koch.
2) Neue Actenstücke S. 26.