Ursprung des ersten schlesischen Kriegs. 69
reiche Neapel und Sicilien, an die Pforte Servien mit Belgrad,an Frankreich das Stammland seines Schwiegersohns Lothrin-gen gegen Toscana aufgeopfert. Anstatt dem Rathe Eugensvon Savoyen zu folgen und die Erbfolge seiner ältesten Toch-ter Maria Theresia durch 200,000 Mann und einen gefülltenSchatz zu sichern, hatte er weit größere Opfer gebracht, umdie Gewährleistung der unter dem Namen der pragmatischenSanction bekannten Nachfolgeacte von fast allen europäischenMächten zu erhalten, von denen dennoch, aus diesem Grundewenigstens, keine daran dachte, sie zu behaupten. Das Heerwar durch den letzten schlecht geführten und schmachvoll be-endeten Türkenkrieg entmuthigt und geschwächt. Die meistenhohem Ofsicierstcllen befanden sich durch bloße Gunst in denHänden junger Fürsten und Grafen ohne Verdienst; dieübrigen wurden häufig durch Kauf erworben; die ausserdemnoch vielfach vernachlässigten Uebungen und Handgriffe warenohne allgemeine Regel, indem jeder Befehlshaber Alles fürsein Regiment anordncte, das er neben dem Quarticrmelfterwie feine Domaine ansah, die er nach Möglichkeit zu benutzensuchte, was sowohl dem Dienste als den armen Soldatenhöchst nachtheilig war'). Ausser den in Italien und denNiederlanden befindlichen Truppen standen in den so ansehn-lichen Erblanden kaum 55,000 Mann'), und im Schatze be-fanden sich nur 87,000 Thaler. Die Minister waren fastsämmtlich alt, schwach und muthlos. Die allgemein herr-schende Unzufriedenheit wurde durch Theuerung der Lebens-mittel vermehrt und erregte Unruhen in der Hauptstadt. Ge-rüchte verbreiteten sich, die Regierung sei aufgelöst, das HausBaiern, welches fortwährend gegen die pragmatische Sanctionprotestirt und Ansprüche auf die gcsammten österreichischenErbstaaten erhoben hatte, werde sie in Besitz nehmen').
1) Cogniaczo, Geständnisse eines österreichischen Veterans LH. H.S. 19.
2) Oesterr- Milit. Zeitschr. 1827. Das gesammte Heer bestand (aufdem Papier) aus 123,00V Mann und 12,000 Grenzern, davon waren10,000 in Ungarn, 16,000 in Italien, 12,000 in den Niederlanden.
3) Coxe, Gesch. von Oesterreich II. S. 89.