Ursprung des ersten schlesischen Kriegs. 65
meiner Hand ein Gut, das ich nicht zu gebrauchen weiß;wenn ich es gebrauche, wird man sagen, daß ich gewandtgenug bin mein Uebergewicht über meine Nachbarn geltend zumachen." Er war überzeugt, er werde nöthigenfalls Preussengegen Rußland vertheidigen, Sachsen, wenn es sich rege,schnell unterdrücken, und dennoch Schlesien, ja vielleicht selbstnoch Berg einnehmen können. Sein Plan stand daher fest,sich Schlesiens zu bemächtigen, es, wenn es gelänge, ganzoder doch einen möglichst großen Theil von Maria Theresiaabgetreten zu erhalten und ihr dafür in der Behauptung derübrigen Theile ihrer Staaten beizustehen. Alte, sehr zweifel-hafte ') Ansprüche auf einige schlesische Fürstenthümer kamendabei wenig in Betracht, konnten aber dennoch nicht ganzohne Schein als Vorwand benutzt werden, und der berühmteKanzler Johann Peter v. Ludewig muffte sich sofort mit derDarlegung dieser Rechte beschäftigen. Weit mehr kam in An-schlag die Leichtigkeit, die fast wehrlose Provinz bei der Stim-mung der evangelischen Einwohner einnehmen zu können.Hierzu kam die an Auflösung grenzende Erschöpfung des vonKarl VI. hinterlassenen Staats, die Unzufriedenheit der Be-wohner, die Entmuthigung der wenigen nach unglücklichenFeldzügen noch vorhandenen Truppen, die Leere des Schatzes;dazu eine junge, ihrem wahren Wesen nach völlig unbekannte,durchaus unerfahrene Fürstin, deren unbedeutender Gemahl,endlich unbrauchbare Minister und Generale, welche Staatund Heer bis dahin ungeschickt genug geleitet hatten.
War es doch auch nicht das Reichsoberhaupt, der Kaiser,gegen den Friedrich austrat, sondern eine ihry an Rang nurgleiche Fürstin. Das natürliche Gefühl der Schonung gegen
I) Wie wir weiter unten ausführlicher Nachweisen werden. DerKönig hatte, als er die Geschichte seiner Zeit schrieb, als Ursache desKriegs angegeben: bereite Truppen, einen gefüllten Schatz und einenlebhaften Charakter. Ehrgeiz und Interesse, der Wunsch, von mir redenzu machen, entschieden den Krieg. Voltaire, iVIöm. 238, strich das, alses ihm der König mittheilte, als zu aufrichtig, und so finden sich dennm der Rist, lls nwn temps c. II. p. 51: clroits incontestables aufSchlesien. Der neueste Herausgeber hat dazu keine Bemerkung gemacht.Bgl. Menzels Anmerkung Deutsche Gesch. X. S. 101.
Stenzel, Gesch. d. Preussisch. Staats. IV. 5