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Buch VH. Erstes Hauptstück.
leidigte dadurch viele Menschen, welche nicht selten im Standewaren ihm empfindlich zu schaden, und entfernte Andere vonsich, welche ihm hätten nützlich sein können.
So unbefangen er sich in dem Kreise derer gehen ließ,denen er vertrauen konnte, so gut er vermochte, die größteSelbstbeherrschung zu zeigen, so verstand er auch, sich gegendiejenigen zu verstellen, gegen die er Argwohn hegte, undauch wohl sie irre zu leiten, wenn sie ihn aussorschen wollten.Sehr vorsichtig, rücksichtlich seines Vaters, ließ er sich aufnichts ein, was den Staat betraf. Als ihm die Ministerunsicher über die mit Frankreich gepflogenen Verhandlungen,um sich vor künftiger Verantwortung zu schützen — die Akten-stücke vorlegten, gab er sie, ohne irgend etwas darüber zuäussern, zurück. Daher wusste Niemand, was er von ihmund seinen Absichten für die Zukunft denken sollte, Alles magihm selbst nicht sogleich klar gewesen sein. Während er sichgegen Suhnl mit bittcrm Spotte über die Gleichgültigkeit undUnthätigkeit seines Vaters bei den europäischen Angelegen-heiten erging, meinten die österreichischen Beobachter, derPrinz liebe nur Pracht und Glanz, sei eitel und möchte gernGrafen und Fürsten an seinem Hofe haben'). Der alte er-fahrene Seckendorfs merkte zwar früh genug, daß der Prinzsich verstellen könne, tiefer sah er aber nicht; auch hat wohlEiner und der Andere bei dessen lebhaftem Ehrgefühle anKriegsruhm gedacht^). Die Meisten jedoch meinten, erwerbeals König Künste und Wissenschaften pflegen, Gelehrte be-günstigen, Handel, Gewerbe und Ackerbau blühend machen,einen zahlreichen und glänzenden Hof halten und sich mitseinen geist- und kenntnißrcichen Freunden zugleich vergnügen.Wie ganz anders wurde es.
Man könnte nun wohl tadelnd bemerken, die Geistes-entwickelung wie der Aufenthalt Friedrichs in Rheinsberg ge-
1) Des jüngern Seckendorf journal secret x. 207.
2) Seckendorf an Eugen 1732 bei Förster NI, S. 91. Doch meinteer, es fehle dem Prinzen zwar nicht an Verstände, doch befleissige ersich mehr ein Bonmot als eine Realität zu sagen-
3) Weiden an Grumbkow Das- S. 63. Ich wette, er wird einerder größten Fürsten werden, die das Haus Brandenburg hervvrgebracht-