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Buch VII. Erstes Hauptstück.
dem andern Systeme anhangm, das sei gleichviel, wenn mannur human handle. Ein Geistlicher, welcher das Gesprächversteckt angehört, wirft dem Sprechenden vor, daß er dieHumanität der Demuth, Heiligkeit und Macht des Glau-bens vorziehe, dagegen tröstet sich der Verfasser, daß seineAnsichten über den Irrthum Vernunft- und unserm heiligenGlauben gemäß seien, welcher befehle, selbst Schwache zuertragen.
Man steht, daß das philosophische Studium, das For-schen nach Wahrheit den Prinzen notwendig auch auf diewichtigsten Gegenstände der Religion führte. Bedenkt mannun die geist- und geschmacklose Weise, mit welcher der fein-fühlende und scharf denkende Prinz in seiner Jugend Reli-gionsunterricht erhalten hatte, so erklärt sich, wie er dadurchkeine würdige Ansicht vom Christenthume und keine eigentlicheEinsicht in das wahre Wesen desselben erhalten konnte, daherleicht gegen das eingenommen werden musste, was man ihmals Christenthum gab, und ihm dann dafür galt. Wenn erdabei verglich, was sich Menschen, die vorzugsweise zu denStrenggläubigen gehörten, und allen äussern Formen desGottesdienstes genügten, doch ohne alle Rücksicht auf Moralerlaubten, so kann man sich nicht wundern, daß er die Reli-gion überhaupt, und demnach auch die christliche, im Verdachthatte, Werkzeug des Betruges der Klügeren gegen die Ein-fältigen zu sein. Das war auch längst der Fall bei ihm,ehe er noch anfing, sich mit Philosophie zu beschäftigen. Auf-klärung nannte man damals die Losreissung von Vorurtheilen,für deren größtes die christliche Religion galt. Der Umgangmit Männern, welche in diesem Sinne aufgeklärt waren,besonders auch mit dem französischen Gesandten Chetardie,das Lesen von Schriften, die sich so aussprachen, namentlichVoltaires, führte auch den Prinzen immer weiter. SeinScharfsinn durchschaute die Blößen der Gegner, die er wieAlles, was Andere als Religion für heilig und ehrwürdighielten, ohne Schonung mit Spott und Sarkasmen geißelte,und deren Glauben er als Aberglauben auf das Tiefste ver-achtete. „Vom Gottmenschen," schrieb er an Voltaire (imMai 1738), „sollten die Philosophen nicht sprechen. Es sei