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Buch VII. Erstes Hauptstück.
sic nur gezwungen auf, wenn er sich betrogen sah oder geirrthatte. Seine zahlreichen Briefe sind voll von Ergüssen derwärmsten Zuneigung. Suhm war lebensgefährlich krank ge-wesen. „Wie? mein theurcr Suhm," schreibt ihm der Prinz,„Ihre mir unschätzbaren Tage sind bedroht gewesen? Ein zufrüher Tod hätte mich hindern wollen, Ihnen meine Dank-barkeit zu beweisen? Nein, der Himmel, welcher die Ucbungder Tugcndpflichtcn liebt und befiehlt, hat mir die Gelegen-heit nicht cntreisscn wollen, Ihnen erkenntlich zu sein. Schonder Gedanke an Ihren Tod ist mir ein Beweis für die Un-sterblichkeit der Seele, denn wäre cs möglich, daß das Wesen,welches Sie bewegt, das mit so vieler Klarheit und Einsichtwirkt, das von der Materie und dem Körper so verschiedeneWesen, diese schöne mit so viel ächter Tugend und Lieblichkeitausgestattetc Seele, dieser edle Theil Ihres Selbst, die Wonneunserer Gesellschaft nicht unsterblich wäre? Nein, ich würde,wenn es sein müsste, öffentlich behaupten, wenn auch dergrößte Theil der Welt sterblich wäre, so müssten doch Sie,Voltaire, Boileau, Newton, Wolf und noch einige Geisterdieses Ranges unsterblich sein." Suhm antwortete gerührt:„Sic haben mir die Gesundheit, vielleicht das Leben wieder-gegebcn, Ihnen, dem ich es verdanke, will ich es weihen;"worauf der Prinz erwiederte: „Ihre Freundschaft für michmacht Sie blind, einen armseligen Sterblichen über seinenWerth zu schätzen, während er recht wohl weiß, daß er alsMensch so gut gezeichnet ist wie die Galeerensklaven." „KeineAbgeschiedenheit ist tief, keine Verpflichtung bindend, keineLeidenschaft stark genug," schrieb er an den Obersten Camas,„um mich meinen Freunden unzugänglich zu machen. Wennich studire, wenn ich den Musen einige Augenblicke widme,so geschieht es nur, um mich noch geeigneter zu machen, denenzu dienen, mit welchen ich durch Bande der Freundschaft ver-einigt bin."
Eng mit diesen Empfindungen war sein lebendiges Ge-fühl für Dankbarkeit verknüpft. „Undankbarkeit," schrieb eran Duhan, „ist ein Laster, gegen das ich immer einen natür-lichen Widerwillen habe. Erkenntlichkeit ist immer meineLieblingstugend gewesen." Auch den Werth edler Frauen