Alcibiades. - 51
da er die Handlungsweise seiner Mitbürger kannte, so ver-langte er, Laß man die Untersuchung, wenn man ein Ver-fahren gegen ihn einleiten wolle, doch wenigstens in seinerGegenwart führen, und ihn nicht in seiner Abwesenheit Ge-genstand einer gehässigen Anklage werden lassen sollte. SeineFeinde hingegen beschloßt», sich für jetzt stille zu verhalten,da sie wohl einsahen, daß sie ihm jetzt nicht schaden könnten,und die Zeit abzuwarten, wo er in den Krieg gezogen wäre,um ihn in seiner Abwesenheit anzugreifen. Sie thaten dießwirklich; denn kaum war er ihrer Vermuthung nach in Si-cilien angekommen, als sie den Entfernten einer Verletzungder Religion anklagten. Die Regierung schickte ihm deswe-gen eine» Eilboten nach Sicilien, der ihn in's Vaterland zu-rückrief, um sich zu vertheidigen. Ungeachtet, er bestimmteAussicht auf eine glückliche Ausführung seines Auftrags hatte,so wollte er doch keinen Ungehorsam zeigen, und bestieg de»Drenuderer, der angekommen war, um ihn zurückzubringen.Auf diesem fuhr er nach Turium in sUnter-sj Italien. Hierbeschäftigten sich seine Gedanken lange mit der zügellosen Frei-heit seiner Mitbürger und ihrer Grausamkeit gegen Vorneh-me; es schien ihm endlich am rathsamsten zn seyn, dem dro-henden Gewitter auszuwcichen, und so entzog er sich heimlichder Wachsamkeit seiner Begleiter, und kam zuerst nach Elis,sodann nach Theben. Als er aber hörte, daß er zum Todevcrurtheilt und sein Vermögen eingezogen worden sey; daßdas Volk, wie gewöhnlich, die Eumolpidischen Priester*)
*) Die Eumolxiden waren eine der vornehmsten Familien inAthen, die seit undenklichen Zeiten im ausswließlichen Be-