50 Cornelius Nepos.
Nacht alle Hermessäulen*) umgestürzt wurden, eine einzigeausgenommen, die vor der HauSthüre des Andocides stand,und nachher unter dem Volke den Namen Andocidcs-Mer-knr erhielt. Da es klar war, daß die Sache nicht ohne Zn-sammenwirkung mehrerer Personen geschehen seyn konnte, in-dem sie nicht einen Einzelnen, sondern die ganze Stadt an-ging, so gerieth das Volk in große Furcht, es mochte irgendein plötzlicher Gcwaltstreich im Schoße des Staates geführtwerden, um die Freiheit des Volks zu unterdrücken. Dießschien am ehesten auf Alcibiades zuzutreffen, da man ihn für zureich und zu mächtig hielt, als einem Privatmanne geziemt.Seine Freigebigkeit hatte ihm Manchen verbindlich gemacht;Manche waren auch durch seine Unterstützung vor Gerichteseine Anhänger geworden. Dadurch zog er alle Blicke anssich, so oft er sich öffentlich zeigte, und kein Mann im Staatewurde ihm an die Seite gesetzt. Er mar daher der Gegen-stand der meisten Hoffnungen, aber auch der größten Besorg-nisse; denn er war ein Mann, der sehr viel nützen, aberauch sehr viel schaden konnte. Auch Gerüchte suchten seinen Rufzu beflecken: man sagte nämlich von ihm, er treibe in seinemHanse einen geheimen CereSdienst, was in Athen ein Ver-brechen war; und man glaubte dieß nicht auf religiöse Absich-ten, sondern auf eine Verschwörung beziehen zu müssen.
1. Seine Feinde machten ihm darüber in der Volksver-sammlung laute Vorwürfe. Allein die Zeit, in den Kriegzu ziehen, nahte heran. Das bedachte jetzt Alcibiades und
*) Diese standen gewöhnlich an de» Eingängen der Tempelund Häuser, und waren viereckig gehauene Steine, wor-auf sich ein Merkuriuskopf befand.