Druckschrift 
Vier Predigten aus dem Lied der Lieder
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

II

will.«-Da sieht man's, wie wenig sie sich selbstnoch kennt. Ich will aufstehen, will wich selber wie-der anfrichten, will mich in das verlorne Paradieszurückversetzen, will mich wieder hincinarbcitcn in denvorigen seligen Stand, will in mir das Licbesgefühlzum Herrn, und die Bcgeistrnng für ihn wieder auf-weckcn; will mein Herz wieder erwärmen und er-leuchten, will mir wieder erwerben die vorige Freu-digkeit und die Lust zum Rühmen, Loben und Beken-nen, will meinen Mund wieder salben und mein Ge-müth wieder so regsam machen, so rührig und em-pfänglich; ja, was will sie nicht alles? Aber laßtsie nur wollen, laßt sie sich nur abmühcn? Ueber-aus heilsame Entdeckungen wird sie machen auf diesemWege. Ein Jammerweg wird's für sie seyn, aber amEnde dieses Weges liegt Heil und großer Segen.Ich will aufstehen. Wohin will sie nun? Ich will in der Stadt umgehen, ans den Gassenund Straßen, und suchen, den meine Seele liebt.In der Stadt? Ja, in Jerusalem, dem geistlichennämlich; im Reiche Gottes, in der Gemeine derGläubigen, da gedenkt sie das verlorne, freudige Em-pfindungslcbcn wieder zu finden. Doch ach, ichsuchtc, heißts es, aber ich fand ihn nicht. Was siesagen will, nicht wahr, wir wissen cs aus eigenerErfahrung. Ei ja, als uns jene Nacht überfiel, dameinten wir auch noch, wir könnten selbst das Freu-denlicht uns wieder hcrvorarbciten in unsere Seele?und vcrmögtcn unser dürres Herz uns selbst wiederanfzufrischen. Da hieß es auch noch: ich will, ichwill, als ob alles in unseren Händen gelegen