Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
544
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Z44 Umsturz d. konvcnt. Dichtung durch Verjüng, d. Naturpocfie.

Jugend in dem Bunde von Herz und Verstand. Denn er fühlte es docheinmal, daß der Dichter, der von der Welt immer so gut denkt und sichdabei aus der Welt zu retten doch für nöthig findet, sich selbst schlageund seine eigene Theorie Lügen strafe. Er redet sich daher zuletzt selbstein, daß er auf jenes Ziel der Vereinigung dieser widerstreitenden Gei-steskräfte hinarbeite! Allein wie sehr er sie auch nähert, so hält er siedoch immer auseinander; und auf dieser Höhe, über die er nicht hinauskann, steht das Gespräch zwischen Dichter und Weltmann als sein in-teressantestes Werk, wenn man dem Gange seiner Ideen und seinemCharakter auf den Grund gehen will. Er zeigt hier den klugen kaltenWeltmann am Ende im Laufe der Welt um nichts glücklicher, als denSchwärmer auch; er stellt ihn gegen den schroffen Dichter in ein mil-deres Licht, als er sonst thut, und erkennt in ihm eine eigenthümlicheGröße und Ganzheit, und wägt die Klarheit, die ihm eigen ist, mit derWärme des Dichters ungefähr auf gleicher Wage. Beide wollen sichnun einander nähern, behalten sich aber doch immer ihr Gebiet vor.Einfachheit und Beschränktheit, Absonderung und Einsamkeit bleibt desDichters Element, und so bleibt die Kluft übrig, die wir gern aus-gefüllt sähen. So ist sie auch Kliugec'n persönlich geblieben. Er bekennt,wie er in seinem Leben zwischen Armuth und Wohlergehen getheilt war,aus der ärmsten Hütte an den mächtigsten Hof kam, so auch immer zwi-schen Meuschenverkehr und tiefster Einsamkeit gewechselt zu haben. DieVerschmelzung von Beiden war ihm nicht gegeben; er sah sie nur alsein schönes Ziel vor sich liegen; er wollte jetzt zwar darauf losarbciten,aber dann sagte er wieder verzagend: wenn er wüßte, wie eine Katzemauste, die man noch ganz jung von der Mutter wegnahm, wie man ineinem verdorbenen Staate ein rechtschaffener Mann bleibe, wie die Ge-sellschaft mehr durch den Glauben an Tugend als durch die Sache selbstfortbestehe so sollte er als Menschenlehrer austreten; jetzt könne ernur träumen, sehen, hören und dann faseln wie jeder Andere, wenn eretwas mehr thun wolle. So hat er sich jene schöne Einsicht nur mit demVerstände geschaffen, denn er war klug und paßte auf sich selbst miteinem ungemein Hellen Kopfe; aber er blieb mit einem verdüsterten Her-zen auf den ersten Jugendeindrücken hängen, sah das Bessere und folgtedem Schlechteren, er wußte das Beste nur anzudeuten, zu schildern abernur die Kontraste, aus denen er weg wollte. Seine Schriften bildendies streitige Wesen merkwürdig ab. Er lehrt diese seine Gcfühlsphilo-sophie und Herzensüberzeugung mit dem kältesten Verstände, ganz imGegensatz mit Jaeobi, der sehr klare und einfache Begriffe mit einem