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4 (1853)
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Periode der Originalgenies. Der Rhein. (Göthe's Jugend.)

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2. Der Rhein. (Göthe's Jugend.)

Nirgends war Herder's Einfluß früher schlagender und in seinenFolgen unberechenbarer, als bei Göthe. Herder lernte ihn in Straßburgkennen, als er dorthin mit dem Prinzen von Eutin kam, und ihr kurzesZusammensein war von den außerordentlichsten Anregungen für denMann, der unserer bei allem Aufstreben siechenden Dichtung endlichhelfen sollte. Welcherlei Art der Zusammenstoß der Beiden war, inwelchem Zustande der Aeltere den Jüngeren traf, wie sich Göthe's Ju-gendleben überhaupt und sein erster Auftritt in der Literatur entwickelte,hat er uns selbst so ausführlich erzählt, daß hier dem Geschichtschreiberkein anderes Verdienst bleibt, als mit offenem Blicke aufzunehmen undwiederzugeben. Denn selbst die Vergleichung seiner persönlichen Bil-dung mit dem Gange der öffentlichen Dinge hat uns der Autobiographtreffend vorgezeichnet, der sich überall innerhalb seiner Zeit sah, die Ein-wirkungen, die Förderungen, die Hemmungen der Verhältnisse beobach-tete, und die seltene Gabe besaß, sich selbst und seine Zeit richtig zuschätzen. Wenn irgend einem Manne jene Einbildung auf den eigenenGenius, die sich den Zeiteinflüssen entnommen wähnt, zu vergeben ge-wesen wäre, so ist es gewiß Göthe; allein er war völlig frei von dieserSelbsttäuschung, mit der sich z. B. Jean Paul gegen die historischeErklärungsart wehrte, der Göthe'n wie eine unlösbare Aufgabestellte, anzugeben um wie Vieles jedes Jahrzehend ihn geändert habe.Diese Aufgabe hat Göthe's Leben, so weit reicht, mit fast zu großerGenauigkeit in dem Maße gelöst, daß gleichsam jedes einzelnen Jahres,jedes Mannes, jeder Lektüre Einwirkungen nachgewiesen sind. Er, derimmer als seiner Barometer den verschiedensten Stand der literarischenWitterung in Deutschland genau anzeigte, erkannte sich gern in demWechselverhältnisse der Einwirkungen, in dem sich mehr und minderjeder Mensch zu seiner Zeit befindet. Er meinte bis ins Endlose könneman die Quellen seiner Bildung verfolgen; nichts wolle er für sich be-halten als die Energie und den Willen, die offene Seele, die das Wahresucht und es sich gern anbildet; er bekannte,daß, wenn er Alles sagenkönnte, was er großen Vorgängern und Mitlebenden schuldig gewordensei, nicht viel übrig bleiben würde." Dies Bekenntnis) ist in demselbenGeiste gemacht, in dem sein Leben geschrieben ist; eS lag schon umständ-lich in seinem Leben; es ehrt den Mann, den seine Nation vergötterte,so sehr, wie es Bacon ehrte, daß er sein Organon eine Frucht der Zeit,