246 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
haben wir den ehrsamen Mann der Mitte. Er mag nicht die Sitte desHofs nnd nicht die der Pedanten, und schließt sich daher an Rabener anin der Richtung mitten durch. In der Liebe mag er nicht das schmerz-liche lange Sehnen des Petrarcha, und nicht den kurzen Scherz mit hora-zischen Schönen, er spottet der platonischen und der sinnlichen Korsaren-liebe, wie Wieland. In der Philosophie wählt er sich die, die in derMitte zwischen Aristipp nnd Diogenes steht, den Narren 'des Hofes nnddes Volkes, die rechte Lebensart ist zwischen der schlangenglatten Sittedes Einen und dem Charonsbart des Andern. In der Dichtkunst schienihm der ein Thor, der sie bis an den Himmel hebt, wie der, der sie mitBoileau zum Staub der Kegelbahn herabstößt. Zeigt ihm einen Weg,dem Staate das zu sein, in der Wirklichkeit das zu nützen, was Tau-sende nur zu thun und zu sein scheinen, so sagt er der Dichtung Lebewohl.Denn er glaubte nicht den Dichter absolut geboren, und zählte sich be-scheiden zu den geringeren, und dichtete nur für seine Freunde, wie denndiese Episteln meist ohne Rücksicht auf das Publikum geschrieben undursprünglich nur als Manuskripte gedruckt waren. Wir sehen uns hierwieder unter diesen Poeten der mittleren Gattungen, wie einst unterjenen Dichtern der Nebenstunden. Sie behandeln ihre Poesie gar zufahrlässig, wie ihr ganzes Leben. Ist nichts daran ausznsetzen, so istauch nichts daran zu loben. Männer, die es sich mit dem Leben nicht soleicht machten, nnd die in der Kunst, das wahrhaft Große und in derWelt nicht Schönredcn über das Thun und Handeln, sondern Wirksam-keit und Handlungen selbst suchten, Männer wie W. Humboldt undFörster haben sich daher misfällig und wohl gar bitter über die Jaeobi,Pfeffel und Göckingk geäußert, nicht allein über die Dichter, sondernauch über die Personen. Und es war wohl natürlich, daß gerade ausdiesen Kreisen die Unzer und Mauvillon, so wie die Göttinger gegendiese lare Gemächlichkeit in Poesie und Leben mit zuerst am grellstenlosbrachen, deren ganzen Umfang wir bei Wieland übersehen.
7. Wieland.
Wir haben oben Wieland so weit begleitet, bis wir auf der Spitzeseiner fanatischen Frömmigkeit angclangt waren. Es war natürlich, daßsich diese unnatürliche Uebertreibung in sich selber besserte; wäre dazuaber auch nicht Kraft genug in Wieland gewesen, so hätte der Spott derBerliner schon sie aufreizen müssen. Schon Nicolai hatte in den Briefen