Periode der Onginalgcnies. — Der Nhei». (Gvthe's Zugend.) 543
der physischen so breit ruht, von der geistigen an einem einzigen Haareaufwärts gezogen und sogar etwas emporgehalten wird, und daß dieMasse seit ewig an diesem Einen Haare vergeblich zerrt, um es zu zerreißen.In diesem Sinne sucht uns Giafar mit dem Elend des Edlen zu versöhnen;in diesem Sinne stellt uns Klinger überall die seltenen, wenigen, abergroßen Männer des Ideals und der Tugend, die Dichter und Helden,den niedrigen Massen und deren Verderben entgegen; sie halten gleich-sam an jenem Faden diese verdorbene Welt, und sollen daher außer ihr,über ihr und dem Schicksal stehen. Der Glücklichste heißt der außerhalbder rauschenden Thätigkeit der Welt steht, er solle alle Verhältnisse mei-den, wodurch die innere moralische Kraft Gefahr läuft. Was aber beidiesem Verhältnisse wieder herauskommt, das lehrt uns gleichsam widerden Willen des Dichters die Geschichte eines Deutschen der neuesten Zeit.Der Held, Falkenburg, ist ein so einsam im Schatten der Tugend, voneinem Schüler Rousseau's gebildeter Dichter, den die Fittige der hohenund ächten Begeisterung, den das Ideal über das Schicksal erhabenzeigen soll. Sein Charakter soll im Gegensätze zur Welt gezeigt, seinUnglück soll aus diesem Gegensätze hergeleitet werden. Allein seineUnfälle, der Tod seines Vaters, der Tod seines Kindes, veranlaßtdurch die Untreue einer unvorsichtig gewählten Frau und eines ebensolchen Freundes, stehen gar in keiner Folge von diesem Charakter; undder allgemeine Haß, der ihn als einen scheinbaren Demagogen trifft,hätte den über Schicksal Erhabenen nicht drücken dürfen, den noch dazudie Neigung seines Fürsten, des Ministers, dcS Lehrers, dcö Freundesund sein reines Gewissen schadlos hält! Dennoch streift dieser Held beidiesem Unglück an Wahnsinn, und waö ihn noch rettet, ist eine dürftigesymbolische Komödie! Diese Erzählung ist ein Bild innerer Zustände, diesich der Revolution gegenüber in Deutschland bildeten; es scheint, daßGeorg Forster's stille feste Gemüthsart, seine häuslichen und öffentlichenSchicksale, sein Bann und Acht Züge genug zur Vergleichung böten, wiesich die Wirklichkeit zu dieser Dichtung verhalte, und dort würde manim Leben die Züge eines wirklich über das Schicksal Erhabenen finden,von dem man gehoben und getröstet scheidet, während uns diese dichte-rische Darstellung drückt und peinigt. Aber in jenem edlen Manne warDickter und Weltmann auch kein Gegensatz; und dies fällt Klinger'nerst ganz spät ein, daß die Verbindung beider Eigenschaften eigentlichden wahren Menschen ausmache, den er mit Diogenes' Leuchte so eifrigsuchte: hohe dichterische Einbildungskraft mit der Vernunft des Mannesder Geschäfte gepaart, ein gesundes Herz neben Welterfahrung, ewige