u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Preußens T'heilnahmc re. 181
wie Klopstock als Grundstein der Seraphiker. Diesen Uebergang abermachen wir mit, und wollen uns daher zunächst in der neuen Gesell-schaft, mit den veränderten Lokalen und Verhältnissen bekannt machen.
6. Preusien's Theilnahme an der poetischen Literatur.
Die preußische Dichtung war bis hierhin in einer anhaltenden Ab-hängigkeit erst von Schlesien, dann von Sachsen gewesen. Berlin warkaum zur Zeit der Canitz und Besser genannt worden, der Mittelpunktder preußischen Literatur war Königsberg; Halle ward erst mit Anfangdes 18. Jahrhs. von Bedeutung. Seitdem Besser und die Pietisten ausLeipzig nach Berlin und Halle geflüchtet waren, setzte sich nachher dieAuswanderung der Literatur aus Sachsen gleichsam fort. Lessing, derfür die Geringfügigkeit der sächsischen Literatur von Luther bis auf ihnhätte entschädigen können, versinnlicht gleichsam mit seinen Aufenthaltenin Leipzig, Breslau, Berlin, Hamburg und Wolfenbüttel^), und mitseinen gestörten Beziehungen zu Wien und Mannheim, daß es künftigkeine vorherrschende Hauptstätte deutscher Literatur, geschweige eineProvinzialherrschaft geben sollte. Schon zu Canitz's und Pietsch's Zei-ten hatte es allen Anschein, als ob Berlin und Königsberg sich an dieStelle von Leipzig und Dresden setzen würden; dann hätte der PreußeGottsched hier seinen Sitz genommen und Besser wäre nicht nach Dres-den zurückgewandert. Allein unter Friedrich Wilhelm I-, wo die Gund-ling und Morgenstern, die Hofnarren der Tabaksgesellschaft, die erstenPosten der Wissenschaft einnahmen, war in Preußen keine Stätte fürdie Musen. Sobald er seine Augen schloß, im selben Augenblicke fastbegann Gleim seine Laufbahn, der die Hebamme der preußischen Literaturgenannt zu werden verdiente. Und je niehr der vorige Druck Spannungin der preußischen Bildung hervorgebracht hatte, desto elastischer warder Gegenstoß.
Joh. Will). L. Gleim (aus dem Halberstädtischen 1719—1803)
87) Von ihm auch gilt, was Kästner van Leibnitz sagt:
Von mir ward Leibnitz dir gegeben,warf Sachsen einst Hannover vor.
Dir, sprach Cheruscien, hieß ihn der Zufall leben,mir sein erkannter Werth, nach dem ich ihn erkor.
Das Glück gab dir ihn erst, du ließest dir ihn nehmen;ist dies zum Prahlen Grund, ists einer sich zu schämen?