Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
141
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u. Welt. Moral, u. d. Kritik. Christl. Dicht, wach Klopstock. 141

5. Christliche Dichtung nach Klopstock.

Die Erscheinung der drei ersten Gesänge des Messias (1748) fielmitten in die Zeit der größten Aufregung zwischen Gottsched und denZürichern. Sie waren für die letzteren eine gewonnene Hauptschlacht,nach der die Anstrengungen der Sachsen krampfhafter aber stets schwächerund zuletzt verächtlich wurden. Klopstock gründete durch sein Auftretenein allgemeines und enges Bünduiß zwischen der Schweiz und Nicdcr-deutschland, wo sein Anhang an Zahl und Begeisterung wetteiferte, erzog außerdem Kopenhagen, Halberstadt, Berlin und selbst Wien in seinInteresse, und dies war mehr als genug, Gottscheds Bund zwischenSachsen, Schlesien und Preußen zu sprengen. Wie vielen Einfluß dieSchweizer ans Klopstock gehabt haben, wie natürlich es war, wenn sieihn als ihr Werk betrachteten, und wie es ihnen schmeicheln mußte, daßdieser bewunderte Jüngling sich ihnen ganz hinzugeben schien, dies gehtaus Klopstock's Briefen an Bodmer deutlich genug hervor, die seit 1748geschrieben sintz OZ. Er nähert sich ihm gleich mit jener Mischung vonZutraulichkeit und Ernst, die schon dem Knaben eigen war, mit jenerFreundeswärme, die im überlegenen Menschen so gewinnend ist, dienachher den Zauber um ihn breitete, der seine jugendlichen Freunde sosehr begeisterte. Er gesteht ihm, daß er seine kritischen Schriften ver-schlungen habe noch als junger Mensch; Bodmer's Milton (denn er lasdamals noch nicht englisch) mußte erst das Feuer in ihm aufregen, dasHomer nicht konnte. Das Bild des Epikers, das Bodmer in seinemkritischen Lobgedichte entworfen, ergriff ihn und weckte jenen neidischenEhrgeiz in ihm; denn ihm schien das Epos über alle übrigen Dichtungs-arten erhaben zu sein, wie die Erde über ihre Theile. Mit diesem litera-rischen Bekenntnis) legt er Bodmer zugleich seinHerzensbekenntniß, seineLiebe zu Fanny vor; er wollte nicht allein seine dichterische Stellung,sondern auch eine amtliche und auch eine Geliebte und Frau seinemBodmer verdanken, und wirklich legte dieser sein Fürwort in einem Briefean Fanny für ihn ein. Die Züricher luden ihn zu sich und er kam auch1750 mit Sulzer und Schultheß dahin. Bodmer täuschte sich in seinerPersönlichkeit etwas, aber dies konnte nicht die Verbindung stören, undnoch weniger das Feuer löschen, das sein Messias bereits in der Schweizentzündet hatte. Was wir oben von dem Charakter der Schweizer-Zu-stände und Literatur im Allgemeinen gesagt haben, macht mit der ganzen

67) Gedruckt in der Isis 1805.