Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
542
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542 Umsturz d. konvcnt. Dichtung durch Verjüng, d. Naturpoesie.

Sahir umgearbeitet ist) könnte man ihren muthwilligen Einkleidungen,und selbst ihren Tendenzen, und sehr oft selbst ihrem Stil nach ganz fürwiclandisch halten. In jenem zeigt er einen Freund der platonischenLiebe, der zn einem Kombabns verhert ist; in diesem erzählt er eineGeschichte des Sündcnfalles, wie der Geist der Humanität und Kultur(Sahir) in einen goldenen Hahn gebannt ist, und alö er erlöst wird,über das unschuldige Cirkassteu Sünde mit Aufklärung, und Verbrechenmit dem Gesetze bringt. Hier ist ihm die Beschäftigung mit seinen Pro-blemen noch gar nicht so peinlich ernst, er hält sich hier weit objektiver;und besonders gleichen auch seine Stiche auf Bonzenthum und Christen-thum den wielandischen ganz, und erinnern stark an seine Verehrung derPallas und der Musen, und die Gerüchte, die über sein Heidenthum imUmlauf waren. Auch der Vortrag ist durchweg heiter ironisch, währendihm sonst jener Sarkasmus eigen ist, den er selbst aus einem starken Ge-fühle herleitet und dem Witze entgegensetzt, der mit dem Lächerlichenspielt, während jener eine Fackel in das Dunkel des menschlichen Wesensschleudre. Dies ist das ächte Gemälde seiner übrigen Romane, in denenwir durch diese stets widerkehrende Operation bald grell aufgeklärt, balvschmerzlich blind gemacht werden. Durchlaufen wir die ersten Erzählun-gen in seinen Werken, den Faust, Raphael de Aquillas, die Reise» vorder Sündfluth und deren Seitenstück, den Faust der Morgenländer, sohaben wir überall die schreckenden Bilder von einer Welt, in der dasGute erliegt, das Böse herrscht, das Gute selbst zum Bösen ausschlägt,die edelsten Bestrebungen mit schauderhaften Ausgängen belohnt werden,und auf diese Art die Vorsehung überall verdächtigt erscheint. Kliugergesteht eS selbst, daß ihm das Wort Vorsehung ein Schall ist, bei demer in die peinlichste Verwirrung gerathe, wenn er den vermeinten Sinnmit dem Gange der Welt ausgleicheu wolle. Er hielt die französischeRevolution für eine Satire auf diesen vermeinten Sinn, und in demFragment über das zu frühe Erwachen des Genius der Menschheit gibter uns auf die Zweifel über den Gang der Welt, auf alle Fragen nachWarum und Wohin keine Antwort. Die Träume von einer Veredlung-der Menschheit sind ihm nichts als dichterischer Zeitvertreib, dieser gut-müthige Glaube kam ihm zu Zeiten albern und abgeschmackt, zn Zeitenekelhaft vor. Bei all diesem aber bleibt dem beobachtenden Schwarz-sichtigen ein Krümchen Trost übrig: er glaubt trotz aller Herrschaft desLasters und der kalten Klugheit an Moralität als an einen idealen Hinter-grund der Dinge. Er, der an keine Wunder glaubt, glaubt an das Eine,das er mit seinen Augen sieht: daß nämlich die moralische Welt, die auf