Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
541
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Periode der Originalgenies. Der Rhein. (Göthe's Jugend.) 541

peinlich, wie früher seine starken Charaktere immerhin waren; der Man-gel an Licht und Schatten wirkte beidemal übel. Keineswegs gab Klingcrdiese starken Charaktere überall in seinen späteren geregelten Stücken auf.In der Sammlung seines neuen Theaters (1700) finden wir sie noch inder Medea, im AristodemoS, im Roderieo und Damokles, nur daß derDichter doch fühlt, sein Roderich, der Pendant znm Posa, könne allen-falls eher für ein poetisches Ungeheuer gehalten werden, als die Böse-wichter, die er ihm in dem Stücke entgegenstellt. Außerordentlich schadetdiesen Stücken schon die didaktische und reflcktirende Breite, die unsKlinger's Uebergang zum Romane nahe legt, zu dem er mehr anshal-tende Neigung und Beruf hatte; im Damokles haben wir eine förmlicheStaatsaktion mit politischen Verhandlungen. Hier siegt der ruhige Welt-mann Attalus gegen den stoischen Freiheitöprediger, und der Dichterläßt uns unentschieden, mit wem er es hält; diese kühlere Anschauung,wie überhaupt die Kälte, die jetzt an der Stelle der früheren Leidenschaft-lichkeit über diesen Dramen liegt, weist uns noch mehr zu seinen Ro-manen hinüber, in denen wir Klinger's Tendenz und Natur deutlicherdurchschauen können; vollends wenn wir die zwei Bände seiner Betrach-tungen hinzunehmen wollen. Da diese Werke, obwohl meist etwas spätergeschrieben, das vollständigste und eindriugendste Bild der eigenen Stim-mung dieser Gährungszeit geben, so verweilen wir einen Augenblickdabei.

Klingcr hat in der letzten Ausgabe seiner Werke nur wenige seinerDramen ausgenommen und dagegen die Reihe seiner Romane, mit Aus-schluß des Bambino, an einen durchgehenden Faden gereiht, den er sooffen spinnt, und der daher so bloS liegt, wie in Wieland's Werken diebewegenden Gedanken seines Lebens. Es ist auch hier der ewige Gegen-satz zwischen Ideal und Welt, Herz und Verstand, Enthusiasmus undKälte, Tugenv und Laster, Dichter und Weltmann, Engel und Teufel,Gott und Thier, was den denkenden und ernsten Dichter beschäftigt.Seine Romane sind daher ebensowohl wie seine Dramen alle auf denmoralischen Menschen bezogen, und er haßte eben so sehr die bloße Un-tcrhaltungspocsie wie die kalte Spekulation, die sich vom Leben trennt.Die Art und Weise, wie er sein inneres Leben in seine Schriften trug,hat mit Wieland's die größte Aehulichkeit, obgleich er zu diesem imGanzen eine Art von stoischem Gegensatz macht. In einigen seiner frü-heren Romane würde man diesen Kontrast nicht so sehr finden: seinMährchen vom Bambino (zuerst !778), daS wir schon erwäbnt haben,seine Geschichte vom goldenen Hahn (1785), (die in den Werken im