Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
540
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840 Umsturz d. koiwent. Dichtung durch Verjüng, d. Naturpoesie.

angelegten Originalcharakteren. Das Trifolium von Freunden, Wild,Lasen und Blasius, die verwilderten und starren Jünglinge, die dieFeindschaft ihrer Väter unterhalten, sind ihm minder geglückt als deralte Berkley, ein ans Unglück und Rachsucht halb kindisch gewordenerGreis, der in einzelnen Zügen, so schwer die Aufgabe war, trefflichgehalten ist. Sieht man diese Stücke nach der Reihe durch, so begreiftman wohl, daß, wenn ein Mittelpunkt der deutschen Bühne dagewescnwäre, sie eine Masse von ähnlichen verwegenen Kompositionen hättenHervorrufen müssen, die dann, wenn eine mannichfaltige Fortbildungder dramatischen Literatur zu hoffen gewesen wäre, einen großen Stoffhinterlassen hätten, der durch Beschneidung und Reinigung zu treff-lichen Bühnenstücken hätte gebildet werden können. Zugleich fühlt manaber auch, daß diese hastige Erzeugung so gewaltsamer und aufregen-der Werke deS Dichters Feuer schnell aufreibcn mußte, der dann bald wieein ruhiger, aber nicht ansgebrannter Vulkan erschien. Noch in demStilpo (l777) spielen wieder Situationen aus Romeo und Hamlet her-über; er behandelt eine glückliche Revolution gegen fürstliche Mörderund Unterdrücker, nicht ohne Opfer der liebenden Jugend, die den feind-lichen Haß der Aeltecn aussühnen möchte. Wir wollen die Lustspieleübergehen, die von weniger Interesse sind; nur die Spieler (l780) sindals Vorbild zu Schiller's Räubern wichtig. Hier ist weit unverfälschtereMenschenkeuntniß und natürlichere Zeichnung, als in den meisten Stückendieser Klasse, denn hier steht Klinger wieder ans eigener Erfahrung undNachdenken: er will dem Verstand und der weltmännischen Bildungfühlbar machen, daß ihr das Herz zu leicht verloreu geht, ohne das keinwahres Glück ist. Wie dieses Stück auf Schiller gewirkt hat, so hat da-gegen ans den Günstling (l785) schon Fiesco, auf Roderieo schon DonCarlos zurückgewirkt. Sobald die ersten schiller'schen Stücke erschienenwaren, fangen Klinger's Dramen an regelmäßiger zu werden, ohne daßsie dadurch gewinnen. Es scheint, ihre hellere Form läßt die bitterenEindrücke, die sie doch hinterlassen, noch mehr empfinden; die sorgfälti-gere psychologische Zeichnung macht den Leser achtsamer und läßt ihnMängel im Ganzen entdecken, wo er sie vielleicht im Einzelnen nichtfindet. So liegt in der Elfride (I78L) die richtige Beobachtung zuGrunde, daß der Mensch oft mit Lastern und Tugenden im Gefühle sei-ner Kraft und guten Willens leichtsinnig spielt, und sich dann durch Ge-legenheit und bösen Einfluß verleiten läßt. Dies wird an allen dreiHauptfiguren anschaulich; allein die Häufung so vieler in Schwächeberuhender Charaktere, ohne Aussicht auf eine bessere Menschheit, ist so