Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
539
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Periode der Originalgenies. Der Rhein. (Göthe's Jugend.) 53!)

wohl selbst in der Meinung der Vielen, in dem die Leidenschaft Verzer-rung, Kraft Rohheit, Kummer Verzweiflung ist, in dem man zu demBrudermorde noch einen Sohnesmord in den Kauf erhält. Leisewitz fandsich durch diese Entscheidung bewogen, mit dem ersten Versuche zuschließen, Klinger ließ sich zu einer übermäßigen Thätigkcit ansporncn,und lieferte gleich im folgenden Jahre, 1775, nicht weniger als fünfStücke. Das leidende Weib hat Tieck, von der Familienähnlichkeit ver-führt, Lenz zugeschriebcn; es läßt sich aber aus einem kleinen Nachspiel,die frohe Frau" (1775), beweisen, daß es von Klinger ist, denn dieserwird darin von Wagner, den wir für den Verfasser halten, ebenso mithämischer Bewunderung getadelt und gelobt, wie Lenz Göthe'n scheintbetrachtet-zu haben. Untergrabenes Familienglück ist hier, und so auchim Otto der Gegenstand ; von eigentlicher dramatischer Kunst ist nochfast so wenig Spur wie bei Lenz. Die Charaktere im Otto sind zumTheil ans Lear und Götz entlehnt, und Episoden ohne Zweck eingescho-ben ; wenn dieses Stück ein Auswuchs von Götz heißen kann, so dasleidende Weib ein Nebenschößling aus Weither. Beide Stücke schienenauch Nieolai anfangs von Lenz zu sein. In der neuen Arria tritt schonmehr Klinger'S eigene Natur heraus. Der wilde Geniemann Julio, einJupiter, ein Dichter, ein Allvermögender, die Solina, ein Weib vonmonströser Majestät, und vie ähnliche Cornelia sind schon ganz von jenenRömernaturen, aus Rousseau und Taeitus erwachsen, die nur in andererArt die starken Charaktere des französischen Drama's wiederbringen; siehaben einen ermordeten Fürsten zu rächen, und werden schon so mit ihrengeraden Naturen im Gegensatz mit den Winkelzügen der Hofleutc ge-bracht, wie es weiterhin Klinger'S Lieblingsansgabe ward. Die Unge-heuer in Tugend und Laster, der riesenmäßige Bombast, der verletzendeAusgang, Alles scheint in diesem Stücke sich ganz unmittelbar an die100 Jahre älteren Tragödien von Gryphius und Lvhenstein anzuschließen.Im Simsone Grisaldo sieht die Hauptfigur wie ein Abbilv Göthe'S aus,ein kastilischer Held, dem nur die Mädchen gefährlich sind, denen er sichleichtsinnig hingibt und entzieht, ein Gegensatz gegen die Philister unddie Menschen ohne Seelenempfängniß um ihn her: ihm sind ein paarshakespcare'sche Karrikatnren, eine Art Narr, ein verliebter Don Quixotevon Hofmann, ein finsterer, trockener, gekünstelter Menschenfeind ent-gegengestellt, die ihn stürzen wollen; hier siegt aber Leidenschaft, Liebens-würdigkeit und Größe über Kabale und Neid. DaS Schauspiel Sturmund Drang malt schottischen Familienhaß in grellen Zügen, ein Gegen-stück zu Romeo und Julie; auch hier versucht sich der Dichter in kühn