458 Umsturz d. konvent. Dichtung durch Verjüng, d. Naturpocsie.
literarischen, religiösen Interessen zogen ihn an; ein großes Vaterlandhätte an ihm einen Dichter gehabt, der das noch weit überragte, was ergeworden ist. Wie ihm das öffentliche Leben nichts bot, wars er sichganz srühe auf die näheren Zustände in seiner Vaterstadt. Die man-nichfaltigsten Verhältnisse gingen ihm auf, er war aufmerksam ans dieLage der Inden, er trieb sich in Handwerkstätten um, und hinter denKouiissen des Theaters, er hatte auf öffentliche Begebenheiten zu achtenund ward in Privatverhältnisse verwickelt; er gefiel sich in dem engenKreise des Tages, der sonst der Jugend verleidet; er ward eingcweihtin die inneren Zustände einer großen Stadt, die von dem Krebsschadender blos materiellen Interessen und der Unsittlichkeit schon in den mittle-ren Klassen angesteckt war, in einem Alter, in dem man uns sonst dieseErfahrungen noch fern hält. Kein gleichfühlender Freund trat ihm indiesen leicht bestimmbaren Jahren nahe; wie Herder stellte er sich in per-sönlichem Selbstgefühle über seine untergeordneten Gespielen, indem ersie nicht wie jener meisterte, sondern mit seinen Talenten unterhielt; wieHerder schloß er sich srühe an Aeltere an, und das Schicksal kam ihmhier so wenig wie mit den großen Verhältnissen der Außenwelt günstigentgegen. Ueberall fand er sich an abstoßende Naturen gewiesen, derenBizarrerie ihn doch wieder nicht losließ. Sein umständlicher, ordnungs-liebender, regelrechter Vater konnte ihm die Ercentrieitäten seiner Naturnicht abgewöhnen; die Olenschläger und Huisgen wollten ihn zumHofmann undzum Menschenfeinde machen, aberer bliebDichter; sein ba-rocker Freund Behrisch, der Hofmeister des Grafen Lindenau, stellte seinegeselligen Talente heraus, aber er fiel immer wieder in sein wirres undstörrisches Wesen zurück; den Sarkasmen seines Merck war er so vielfachverbunden, aber sie thaten seinem weichen Gemüthe zu wenig wohl.Rechnet man hinzu, daß er, gerade als sein jugendlicher Geist am schön-sten anfing aufzublühen, in Wetzlar das Schauspiel der Visitation desReichskammergerichts erlebte, wo ein großes Gericht wegen der Ver-brechen einzelner Assessoren wieder gerichtet ward, so begreift man wohl,wie all dies in der frühen Zeit, da er Zeinen ersten Idealen entsagenmußte, da er Verachtung seiner literarischen Muster einsog, ihm schonzugleich Verachtung der Welt und Menschen einflößen mußte. So langesein ungemein fühlbares Herz jugendlich schlug, war in ihm selbst gegendiese Bedrängnisse der äußeren Welt noch ein Widerstand, der späterhinhäufig ermattete: die rein gehaltene Kinderzeit hielt der bösen Gesell-schaft die Wage, in die er gerieth, als er sich von der Zucht seines Va-ters losmachte; seiner Vielbekanntschaft steuerte seine Einsamkeit und