Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
450
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450 Umsturz d. konvent. Dichtung durch Verjüng, d. Ncitnrpoesie.

diese Schrift kam, der das strahlende Erzeugniß und die Knallwirkungen,die von allein Prophetismus in Hellen Zeiten unzertrennlich sind, blos-gestellt hätte. Ganz in derselben Zeit, in demselben Ton und Geist,wie die Urkunde, sind auch die zwölf Provinzialblätter an Predi-ger geschrieben. Spalding's Buch von der Nutzbarkeit des Predigtamteshatte sie veranlaßt, und Herder'n ärgerte daran die Lauheit, derMangel an Würdegefühl, die ewigen Beziehungen der Religion aufden Staat, die Nebenbetrachtungen, die Klagen über Dogmatik, Ge-sangbuch, Katechismus und Liturgie. Er war von der Erhabenheitseines Amtes ganz durchdrungen, ganz erfüllt von den Mißhandlungen,die es in unseren Zeiten erfuhr, wo man es blos zu dulden schien, woglorreiche Degenknöpfe und Feldschmarrengefichter die Engel Gottes indie Kirche schicken, wo kein Weg zur Kanzel betretener ist, als der vonder Informator - oder Vorschneiderstelle Sr. Ercellenz aus." Wie er denNaturstand der Dichter herzustellen strebte, so den Urständ der Priester;er spricht hier von dem Amte des Predigers wie die schlesischen Dichtervon den Poeten. Er wollte nicht allein, daß unsere Priester gewisser-maßen das seien, was in Israel die Propheten im niederen Verständewaren, sondern er meint: was auch die Propheten im höheren Ver-stände gewesen! Er nimmt sich Lavater's an, der noch heute Wunder-und Prophetengabe glaube und lehre; die Propheten seien Wunderthä-ter, Eiferer für Gott, Weissager gewesen, und er wisse nicht, ob diesAlles Wesen einer anderen Welt seien, die wir ansehen müßten, wieden Mann im Monde.Wer heute wieder das ganze Werk Gottes durchZeiten und Völker in aller Würde und Einfalt zeige, der wäre kein Pro-phet? Man denke daran, was Luther gethan hat, und schaudere undhoffe!" Wir sehen, daß hier derselbe Enthusiasmus des Mannes redet,ver in den Blättern von deutscher Kunst und Art die Poesie wieder neuschaffen wollte, eines Mannes, der ganz von glänzenden Hoffnungenauf die Fortschritte der Menschheit, von glänzenden Hoffnungen auf seineeigene Wirksamkeit erfüllt ist, eines Mannes der Zukunft, eines pro-phetischen Geistes selbst, der hier die ungestümen Wünsche seiner Brust,dem Volke ein neuer Luther zu werden, nicht verhehlen kann. Aber Lu-ther'n trieb nicht das Vorgefühl leuchtender Rollen, die er spielen wollte,ihn lenkte leise und allmählich der Finger der Gottheit und der Geschicke,die ihn zum Propheten bestimmt hatten; wäre in ihm die geringste Ah-nung dieser prophetischen Rolle aufgestiegen und hätte ihn verführt,darnach seine Maßregeln zu nehmen, so wäre sein Werk verloren gegan-gen. Denn dies trug die Zeit nicht mehr schon zweihundert Jahre