Periode der Originalgcnics. — Preußen. (Herder.) 451
vorher, geschweige jetzt, woLavater eben seine ähnlichen krankhaften An-strengungen zur Herstellung der Urzustände des Christenthums machte.Glücklich sür Herder, daß durch die Polemik gegen Spaldiug, die unbe-rufene Einmischer (Teller) lauter machten, als nöthig war, und durchden rebellischen Ton dieser Schriften selbst ein großer Aufstand gegenihn veranlaßt ward, den er sich besser als Lavater zu Herzen nahm. Erließ sich die psäffischen Ausfälle verleiden, in denen er hier zu Gunstender dogmatischen Predigt die Moralpredigt verwarf, und die philoso-phischen Beweise der Religion dem Bau der Kothschwalbe am ThroneGottes verglich — er nahm weiterhin eine gang andere Stellung in derTheologie ein, die dieser früheren sehr unähnlich war.
Ans die großen Gährungen, die Lavater'ö und Herder's theologischeSchriften in diesen 70er Jahren machten, kommen wir weiterhin zurück.Für die Poesie war cs ein unberechenbarer Schäden, daß die Kräfte sovieler Männer ans Nebenwege abgeleitet wurden, die bald ein tumultua-rischec Verkehr zu Hauptstraßen umschuf, ans die sich die Literatur hinzog.Für die betreffenden Wissenschaften aber war der Nutzen gleich unüber-sehbar, der durch die neue Bewegung hervorgerufen wurde. Und werHerders trotziges Sturmlaufen streng miöbilligen wollte, frage sich jaerst, ob zur Erschütterung des alten Gebäudes unserer gelehrten Theo-logie und unserer Predigerkunst leichteres Werkzeug und stumpferesGeräthe genügt hätte. Herder fuhr auch hier fort, in Hamann's Arteinen Sauerteig in die Nation zu werfen, der, wie herb er auch für sichschmeckte, im Ganzen doch höchst nöthig und wohlthätig war. Wie ver-dienstlich seine Schriften an sich sein mochten, so wurden sie dennoch ver-dienstlicher durch das, was sie erregten; was er in der Gegenwart that,war wenig gegen das, was er in die Zukunft sortwirkte; die Pflanze,die aus Hamann's Samenkorn in ihm anfschoß, war noch reicher anSetzlingen, als au uumittelbarcr Frucht. Er ward auch hierin anders,als er in Herder's anfänglicher Meinung war: so sehr vertreten sich dieMenschen gern selbst das Licht, und bei diesen merkwürdigen Wider-sprüchen im Wesen sind Widersprüche in den Beurtheilungcn ganz un-vermeidlich, wo nicht der Urtheileude völlig leidenschaftslos sür dieseund jene Seite ist. Herder suchte anfangs jene laute und öffentlicheWirksamkeit und Anerkennung, die leidige Celebrität, wie es Hamannnannte, und kein Mann war mehr geschaffen, in bescheidener Stille un-sichtbar zur wirken. Ja Niemanden hat weiterhin dieses unsichtbare Ein-greifen in die Bildungen der Zeit so sehr gereizt, wie ihn, wenn aucheinige schmerzliche Sehnsucht dabei sichtbar ward; und Niemand hat in
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