Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
446
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446 Umsturz d. konvent. Dichtung durch Verjüng, d. Naturpoesic.

und überall fand sein vielgeschäftiger Sinn in diesen Kreisen Nahrungund gab sie wieder. Wie er nnn nach Bückeburg kam, so hatte er eigent-lich den Wirkungskreis gefunden, den er kaum erst so eifrig suchte, dennob er in Lievland oder hier seine Ideale versuchte, konnte dem weltbür-gerlichen Manne gleich gelten. Alles schien ihm entgegenzukommen, wasman nur erwarten mochte. Der Gras Wilhelm war ein Fürst, an demman die Kunst der Menschenbehandlung üben durfte, ohne sich verächt-lich werden zu müssen; der zwar den Beglückungseifer theoretisch nichttheilte, ihm aber doch nicht faktisch eutgegeugetreten wäre. In London(1724) geboren, in großen Verhältnissen ausgewachsen, hatte er in demgroßen Stil eines englischen Edeln gelebt und die Welt durchreist, ohneals zweiter Sohn an die Regierungsgeschäfte zu denken. Da berief ihnder Tod seines Vaters und Bruders plötzlich zum Regenten des kleinenLändchens, ihn, der an die Hauptstädte Europas gewöhnt war. Er ver-tilgte die bisherige Pracht an dem lockeren Hofe seines verschwenderi-schen Vaters, und quälte dagegen das Land mit seinen kriegerischen Nei-gungen; er baute Festungen, legte Stückgießereien an, machte denlöten Mann seines Ländchens zum Soldaten, und dachte dabei nach, wieman die angreifenden Kriege aus der Welt schaffen möchte. Er bildetesich in der That, wie sehr sein Heldeneifer aus la Manch« zu stammenschien, zu einem großen Kriegsmanne; er trat im 7jährigen Kriege zuHannover und leistete nachher, als England Spanien den Krieg von1762 erklärte, in Portugal wesentliche Dienste, wohin ihn die Englän-der schickten. Dort hatte er Pombal regieren sehen und er kam verän-dert und mit dem Sinn für andere Dinge zurück. Er heirathete, er wid-mete sich seinem Lande, er nahm Abbt in Dienste, der vortrefflich zugleichsich selbst zu seiner neuen Stelle zu bilden und den Mann voll Eigen-heiten und Grillen leise zu leiten wußte. Er legte das Beispiel wclt-klugeu Benehmens Herder',: so nahe vor! Leider starb er bald, der Grafbedauerte seinen Verlust tief, er fiel auf Herder, der 1768 Abbten einDenkmal geschrieben hatte, aber er fand in ihm nicht wieder, was erbrauchte. Der Graf war Herder'u zu sehr Held, zu hart und eigen-sinnig, zu despotisch er wußte den Mann nicht zu fassen, derProbitätund Droiture", seine Lieblingstugendeu, neben Nachgiebigkeit in demManne erkennen mußte, der ihn behandeln sollte; Herder setzte Eigensinngegen Eigensinn. So war es sehr charakteristisch, daß er für dasLändchenund dessen Regenten nichts ward, wohl aber für des Grafen Gemahlin,die kränklich war, durch Kränklichkeit ängstlich religiös, und die Her-der',: zu danken hatte, daß er ihr die Religion lichter und leichter machte.