Periode der Originalgenies. — Preußen. (Herder.)
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Werk auf Uebcrredung anlegte, die da meinte, wenn man für eineSammlung von Kenntnissen der gebildeten Welt gehalten werde, sokönne man mit diesem Scheine Alles ausrichten! Er wollte eben sichdem Dienste der Welt weihen und praktisch wirken, und denkt dabei aufein Jahrbuch der Schriften für die Menschheit, was Alle lesen sollten,worin für Alle Alles enthalten sein sollte, was für die Menschheit un-mittelbar ist, auö allen Wissenschaften und Künsten! Er wollte nationalund provinziell wirken, beschränkt ans Einen Landstrich unter den beson-dersten Bedingungen, er wollte „Riga zu einer glücklichen Stadt machen,"und schon hatte er die weltbürgerliche Rede in Riga gehalten, daß einVaterland in dem Sinne der Alten bei uns nicht mehr möglich sei! Ernahm sich eben vor, aus sich herauszugehen, der äußeren Welt zu ge-hören, von ihr zu lernen, und in demselben Augenblicke will er einTagebuch führen, seinen Geist in Bemerkungslage setzen, sich selbst ana-lysiren. Langsam schien er auf Einen Punkt mit Nachdruck eben hinar-beiten zu wollen, als er schon mit hastigem Finger Bücherplane um-schreibt, die nachher sein ganzes Leben ausfüllten. Er wollte als Pre-diger fortfahren zu wirken, und faßte frcigeistige Ideen und weltklugeGrundsätze zugleich, wollte den Weltmann und den Propheten, dieWürde des geistlichen Standes und den geschliffenen Ton der Gesellschaftvereinigen. Er meinte, bei der großen Katharina die Rolle zu spielen,die Voltaire bei Friedrich spielte, dazu wollte er „seine Gabe zu Phlegmaund Hitze" ausbilden und kalte Vorschläge mit Enthusiasmus unter-stützen. Indem er über das Ideal einer Schule für Finnland nachsann,sielen ihm die ungeheuren Widersprüche nicht auf, als Er, der Rousseau'sAbwege meiden wollte, sich zur Aufgabe stellte, „den menschlich wildenEmil zum Nationalkind Lievlandö zu machen; was Montesquieu fürden Geist der Gesetze ausdachte, auf den Geist der Nationalerziehunganzuwenden, und was er in dem Geiste einer kriegerischen Nation fand,auf eine friedliche Provinz umzubilden!"
Zu all diesen großen Aussichten gerade ans eine praktische Wirksam-keit schien ihn seine Natur wenig zu berechtigen; die Verhältnisse aberschienen sie fördern zu wollen. Er erhielt durch Resewitz einen Ruf, denPrinzen von Eutin drei Jahre auf einer Reise zu begleiten, und als,sichdies zerschlug, ward er zudem Grafen Wilhelm nach Bückeburg 1770als Hofprediger berufen. Er hatte auf der Reise nach Kiel Lessing,Claudius, Bode und Reimarns kennen gelernt; er kam in Darmstadt inVerbindung mit Merck, in Straßburg ward er mit Göthe und Jung-Stilling bekannt; sein Ruf und seine Freundschaften erweiterten sich,