444 Umsturz v. konvcnt. Dichtung durch Verjüng, d. Narurpocsic.
Dichtung neue Gedanken fassen; so regen sich ihm wissenschaftliche Auf-gaben au. Er denkt an eine Geschichte der Menschheit; die Hordenziehender Heringe verglich er mit den Wanderungen der Völker und holtevon jenen Aufschlüsse über diese. Aus dem Aberglauben der Schiffleutespinnt sich ihm eine Theorie und genetische Erklärung des Wunderbaren,eine Logik für das Dichtungsvermögen. Jede seiner vielfachen Eigen-schaften wogt hier in titanischen Hoffnungen auf. Er fragt sich, was erfür Anlage habe, in Lievland, dem Lande der Barbarei und des Lurus,der Freiheit und der Sklaverei, zu einem Luther und Calvin zu werden!„Ich frage noch, ruft er. Unnütze Kritik und todte Untersuchung auf-geben, mich über Bücherverdienste erheben, mich zum Nutzen der Welteinweihen, das Zutrauen von Hof und Negierung gewinnen, französischeSprache und Wohlstand, englischen Geist der Realität und Freiheit,italienischen Geschmack, deutsche Gründlichkeit und holländische Gelehr-samkeit einsammeln, große Begriffe von mir und große Absichten in mirerwecken, mich meinem Zeitalter bequeme», den Geist der Gesetzgebung,des Kommerzes und der Polizei gewinnen, Alles im Gesichtspunkte vonPolitik, Staat und Finanzen einzusehen wagen, keine Blößen mehrgebe», Tag und Nacht darauf denken, dieser Genius der Lievländer zuwerden, mir angewöhnen, Welt, Adel und Menschen zu überreden,auf meine Seite zu bringen — Jüngling, das Alles schläft in Dir, aberunausgeführt und verwahrlost! Die Kleinheit Deiner Erziehung, dieSklaverei Deines Geburtslandes, der Bagatellenkram deines Jahrhun-derts, die Nnstetigkeit Deiner Laufbahn hat Dich eingeschränkt. In kri-tischen, groben, unnütze», elenden Wäldern verlierst Du das FeuerDeiner Jugend, die beste Hitze Deines Genies, die größte Stärke DeinerLeidenschaft: zu unternehmen." Ec gibt sich noch weitere Regeln fürdiesen großen Beruf; er will nicht wie Rousseau ansschweifen, er willdas Große aller Zeiten in Schriften sammeln, ganz anders, als in Jsc-lin'S Geschichte, er will die Brücker und die Postillenprediger und diemosheim'schen Moralen weit hinter sich lassen. Wir haben außerGöthe's Jugendbriefeu nichts, was die Titanomachie dieser Jahre, dieprometheische Himmelstürmerei so trefflich ansspricht, wie dieses Tage-buch; nichts aber auch, was die wunderbaren Selbsttäuschungen so nahelegt, die mit diesen ikarischen Flügeln verbunden waren. Der Jüngling,der alles Große der Weltgeschichte so vor Augen hatte, lernte nicht ein-mal, daß Wahrheit und ein Streben aus reiner Natur allein die großenWirkungen auf die Menschen übt, die er machen wollte. In die Begei-sterung so junger Jahre mischte sich eine so altkluge Politik, die all ihr