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4 (1853)
Entstehung
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435
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Periode der Originalgenies. Preußen. (Herder.) 435

daß wir dies so lange thateu, bis das Beste erschöpft war, und nun dieGewöhnung der Thätigkeit freilich auf das Mittelmäßige und Entbehr-liche übergleiten mußte. Unsere Sprache, bemerkte Herder weiter,erleichterte uns dies, die nicht wie die französische gebunden ist, Allesin ihrer eigenen Weise zu sagen. Und bei alle dem ist es ihm doch nichtschwer, den rothen Faden einer Eigenthümlichkeit nachzuweisen, derdurch alle unsere Dichtungen durchgeht, wie abhängig sie sind: Gut-müthigkeit, Biederkeit, ein verstand- und lehrreicher Genius, Sitte,Bescheidenheit, bei weniger Glanz der Kunst mehr Gemüth und wahreEmpfindung. Und dies eben sind diese allgemeinen menschlichen Eigen-schaften, die uns wieder in jene weite Beziehung mit aller Welt setzten.Gewiß ist, daß, was wir dadurch an Individualität der Nation verlie-ren, auf anderen Seiten reichlich wieder gewonnen wird. Ich will nurau das Eine erinnern, daß eigentliches Verstäudniß der Geschichte ohnediese Empfänglichkeit für fremde Natur gar nicht möglich ist. Wir habenvor Herder nur Nationalgeschichten gehabt; was Engländer und Fran-zosen in der Geschichte anderer Völker geleistet haben, ist kaum der Redewerth. Vielleicht ist es nicht anmaßend, zu sagen, daß noch heute eineWeltgeschichte nur in Deutschland möglich ist, und auch bei uns erstmöglich ist, seit Herder anfing, das Innere der Nationen aufzuhüllen,in Uebersetzungen fremder Werke diePhysiognomie der Kompositionund die Seele des Originals" erscheinen zu lassen, und uns in jeder Artmit allem Fremden vertraut zu machen. Diese Gabe ist ganz von seinementschiedenen Kosmopolitismus bedingt, der wieder in einer allgemeinenStimmung der Nation wurzelte, auf die wir anderswo noch zurück-kommen.

Der Cid liegt ganz auf der Grenze, wo sich Herder's Uebersetzungs-kunst mit seiner eigenen Dichtergabe ohne Nachtheil berühren konnte.Diese Romanzen gehören in das Gebiet der Naturgesänge, wo er zuHause war, und in den Süden, dessen Poesie er in späteren Jahren sobevorzugte; sie haben eine historische Haltung von wenig Schwung,selbst von einer trockenen Färbung, der nur so durch die spanische Würdeaufgeholfen wird, wie vielen deutschen Dichtungen durch Gemüth undMelancholie. Es kam hier mehr auf Situationen an, als auf epischeDarstellung in großem Zusammenhänge, mehr auf Andeutungen in derErzählung, auf Winke in der Charakteristik, und dies lag ganz in Her-der's Sphäre und lockte seine springende, der Phantasie Raum lassendeArt des Vortrags. Dazu kam jene moralische Etikette, jene einfältigeGroßheit, die Gelegenheit zur Lehre u. A., was Alles einlud, hier von

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