Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
432
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432 Umsturz d. konvcnt. Dichtung durch Verjüng, d. Nanirpocstc.

für die Ode geleistet hatte; wie sich dieser zu den Kompositionen seinesBach verhielt, so Herder zu Gluck, der damals auf den einfachen undnatürlichen Ton der Empfindung und Leidenschaft zurückwies. Noch imZuge derselben Thätigkeit, die diese Gesänge sammelte, liegt Herder'sBuch vom Geiste der hebräischen Poesie (1782), das er, wieer an Hamann schrieb, von Kindheit an in seiner Brust nährte. Die-selbe Gabe der Auffassung und Auslegung, die sich damals in ganzDeutschland mit merkwürdigem Wetteifer am Homer versuchte, dieselbe,die Herder dort am Volksliede übte, wandte er hier auf die poetischenTheile der Bibel. Dies Buch stellte sich gegen Michaelis' Uebersetznngenund das Aehnliche so, wie Herder's historische Neuerungen gegen dieSchlözer und seine poetischen gegen die Klotz und Ramler. Für dasVerständnis; orientalischen Geistes und das Studium der biblischen Lite-ratur war dies Werk so einzig anregend und bahnbrechend, wie Winckel-mann's Schriften für das Knnststndium, wie für die Poesie überhauptHerder's Hinweisung auf das Naturlied der Völker. Auch hier warendie übertragenen Stellen sein Zweck und die Frucht, wozu das übrigeBuch die Schale bildete. Auch hier begeisterte ihn die Natur im kleinenUmfange, aber lebendigeren Gehalte; hier, wo sich Poesie und Pro-phetie die Hand zu einem Bunde reichte, der Herder'u so nahe lag, fander sich noch heimlicher als bei Homer und Osstan: gegen diese kindlicheEinfalt im Hiob, in den Psalmen u. s. w. war ihm wie Klopstock diekünstliche Poesie der Griechen lauter Schmuck, und bei der eeltischenselbst ist es ihm hiergegen, als ob er unter einem bewölkten Abendhim-mel wandle. Diese theuere Poesie entriß er mit diesem Werke den pedan-tischen Grammatikern und gab sic der Jugend anheim, die sie empfand;und es ist, als ob diese prophetische Dichtung ein Ableiter gegen seineeigenen Ekstasen sei: er wird vor diesem Dunkel klar und fesselt jeneBlitze zu Lichtern. Gewiß war dieses Werk eines der erfolgreichsten, dieHerder schrieb, und seine ganze Natur und Richtung erklärt, daß essein Lieblingsgeschäft war, und daß er eS gern zu einem Lebensgeschäfterhoben hätte.

Herder machte mit diesen Werken, wenn nicht den Anfang zu derVerpflanzung der poetischen Literaturen aller Völker und Zeiten auf deut-schen Boden, so doch die ersten Versuche, die mau klassisch und musterhaftnennen durste, und die erstaunlich ermnthigen mußten. Er leitet hieraus diejenige Seite der nachherigen romantischen Schule über, von derdiese bei weitem am wohlthätigsten und verdienstlichsten gewirkt hat.Mehrere hierin einschlägige spätere Arbeiten geben uns diesen Uebergang