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4 (1853)
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431
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Periode der Originalgcnies. Preußen. (Herder.)

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Percy zu werden (wie man nachher im Wunderhorn versuchte), so zog ervor, um ja nichts Gemeineres einflicßen zu lassen, die Schätze derganzen Welt auszubcuten, und er bot die Früchte einer Belesenheit undKenntniß der Literatur aller Zeiten ans, wie sie damals in Deutschlandeinzig war. Er sührt uns von Grönland bis nach Indien, aus der ZeitLuther's zurück bis zu Harmodius und Aristogiton, aus Esthland bisnach Peru. Mit einer reizenden Leichtigkeit, die bis dahin nicht alleinunter uns, sondern in aller Welt geradezu unerhört war, faßt er jedeZeit, jedes Volk, in jedem Charakter mit einer überraschenden Treue undEinfalt auf, und schickt sich mit der feinsten Wandlungsgabc in Sinnund Sprache, in Ton und Empfindung. Die spanische Grandezza, dieDüsterheit des Ossian, die tändelnde Naivetät der Litthauerin, die grau-same Gewalt des nordischen Kriegers, das sanfte Gemüth des Deut-schen, das Schaurige schottischer Balladen, der kühne Gang der histori-schen Volköromanzen in Deutschland, Laune und Schreck, Ernst undTändelei, Alles bewegt sich neben einander, ohne Geziertheit und ohneZwang, als ob die divergirendsten Strahlen aller Menschlichkeit undMenschheit sich in dem weiten Busen des Deutschen koneentrirten. Wo-durch erreichte Herder diese überraschende Wahrheit und Wandlungs-gabe in diesen Liedern, die er in seinem sonstigen Vortrage so wenigverräth? Nicht allein daher, daß es hier mehr auf Empfängniß als Er-zeugung ankam; nicht allein daher, daß Herder, vielseitig in sich an demAllerverschiedensten, an griechischer Lebensfrische und indischer Beschau-lichkeit , au der Glut des Südens und der Trauer des Nordens Theilhatte; sondern auch ganz besonders daher, daß er das Wesen des lyri-schen Liedes nicht im Worte, sondern im Tone suchte, nicht im Gedichte,sondern in Musik und Melodie. Das Wesen des Liedes, sagt er, istGesang, nicht Gemälde; seine Vollkommenheit liegt im melodischenGange der Leidenschaft oder Empfindung, ohne Ton und poetische Mo-dulation ist es trotz Bild und Farbe kein Lied. Ist in einem Liede lyrischeWeise, so ist selbst sein geringer Inhalt der Dauer nicht entgegen, manschiebt einen andern unter, man stößt die schlechten Strophen aus. Danun das Lied gehört werden soll, so suchte er auch beim Nebersctzen desTextes den Gesangton vor Allem zu treffen, um ängstliche Wortreue un-bekümmert; ihn warnten die gescheiterten Uebersetzuugen so vieler frem-der Lieder. Das Schwanken zwischen zwei Sprech- und Singarten, desVerfassers und Uebersetzers, war ihm unausstehlich, sein Ohr vernahmes gleich und haßte den hinkenden Boten, der weder zu sagen noch zuschwelgen wußte. Herder leistete hier für das Volkslied, was Klopstock