426 Umsturz d. koiwcnt. Dichtung durch Verjüng, d. Nalurpocste.
damalige schöne Literatur seines Vaterlandes im Großen, wie es Preußenin politischer Hinsicht damals und noch heute darstellt: ein junger Staatin alten Formen, Verwesung, wie Mirabean fand, vor der Reife, einMetamaechiavell, wie Hamann sagte, auf dem Thron, der gegen denMaechiavelli schrieb, und Freigeist und Despot zugleich war. Herderüberkam völlig die Mission seines Hamann, die dieser selber nicht erfüllenkonnte, er ging als ein Bote der Erlösung von alten Satzungen, Schul-meinungen und Kleingeistereien in alle Welt und lehrte alle Völker.Hamann hatte das Reich der Literatur den Kinder verheißen, und sopredigte Herder. Mehr noch als Homer und Ossian war die Bibel dieFreude seiner Jugend und das Buch seines Lebens. Seine Freude darannannte er selbst kindlich und angeboren; nur ihr zu Liebe ward er Theo-log, und wie er in seinen Kinderjahreu Hiob und den Prediger, JesaiaSund die Evangelien las, hat er kein Buch sonst in der Welt gelesen.Sein ganzes Leben, schrieb er, entwickelte ihm nur, was ihm seine Kind-heit sagte. Er klagte sich selbst an, daß er in seiner Natur leidenschaftlichwar, wie ein Kind; er ließ sich gehen, er fiel in schwere Strafe, er kehrtein sich und ging liebenswürdiger hervor. Der Mensch in seiner Kind-heit, sagte er, ist ganz Sinn und Gefühl. Und so blieb er immer. Erfaßte mit dem reinen Glauben der jugendlichen Phantasie, unbeschadetder Aufklärung, die Religion, die Sage, die Dichtung der Kindheit desMenschengeschlechts auf, und kam niemals aus dieser Hingebung her-aus. Er drehte der grauen Zeit der Ueberbildung den Rücken, grub sichin die Natur, in die Jugend der Welt ein, suchte sie zu bemeistern undzu schildern mit sinnlichen Bildern und lebhaften Gefühlen, und alleseine Neigungen schwebten um die Wiege der Menschheit oder der Völker.In Shakespeare forschte er heraus, was der Naturpoesie des Volkesgehörte, gleichgültiger gegen das, was den Menschenkenner als Shake-speare's Eigenthum lockt; in seinen Ideen zu der Philosophie der Ge-schichte rang er sich von den Anfängen der Menschheit nicht los. Ganzwie Hamann den ungetheilten Menschen des Instinkts suchte, so bewun-derte er die Perioden der Völker, wo noch die Vernunft am wenigstenin die vielseitige gelehrte Form gegossen ist, wo noch Sinnlichkeit undroher Scharfsinn, Schlauheit und muthige Wirksamkeit, Leidenschaft undErfindungsgeist, wo die ganze Seele ungetrennt und am lebhaftestenwirkt, weil sie, noch ans keine langweilige Regel gebracht, immer ineinem Kreise von Bedürfnissen, Erfordernissen ganz lebt, und sich immerneu und ganz fühlt. Er fand es unbegreiflich, daß sich sein Jahrhun-dert so sehr in die Schatten und dunklen Werkstätten des Kunstmäßigen