Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
420
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420 Umsturz d. koiwent. Dichtung vurch Verjüng, d. Naturpoesie.

Licht und Klarheit; Herder wirst uns in ein Meer von Dunkelheit zurück,wohiu zuweilen eine einzelne Beleuchtung ihr Licht wirst, um gleichdarauf wieder ärgere Finsteruiß zu verbreiten. Wir stehen bei Lessing ineinem fertigen Bau und freuen uns reiner Verhältnisse; Herder aberbeschäftigt unS, wie er selbst sagt, mit kritischem Schutt. Lessing hatteüber die Kunst und ihre Gesetze gedacht, Herder aber nur empfunden,und seine Empfindungskritik hängt sich ohne Methode, ohne Plan, ohneUeberstcht, ohne Rechenschaft an jeden lcssingischen Satz, der seinenGefühlen widerspricht, und sucht ihn mit Gefühlen wegzuräumen. Undhier mischt sich seine persönliche Natur sogar in die Auffassung fremdenGeistes, in der er sonst die gerühmte Objektivität der Deutschen beginnt:er weiß sich in den Geist der lcssingischen Kritik und Denkungsart nichtzu versetzen, was ihm selbst sein Freund Müller einmal vorgeworsenhat; und er verliert ihr gegenüber sogar den Geist des Homer. Sotreffen wir ihn gleich anfangs auf der Behauptung Lessing'S, dasSchreien bei körperlichen Schmerzen bestehe nach griechischer Denkartwohl mit einer großen Seele. Dies ist dem schwuugreichen Manne nichterhaben genug, es verdirbt ihm seinen Homer und seine Achäer,es stimmt ihm nicht mit seinem — Ossian, dessen nordische Helven sammtdem Stumpfsinne ihres Heroismus er mit den menschlichen Achäernverwechselt. Alle Mittel bietet er nun auf, diesem beleidigten GefühleRecht zu schaffen, und der Leser darf sogar vor Entstellungen der lessin-gischen Ansichten auf der Hut sein. Er wirft ihm z. B. vor, Lessingmache die Idee des körperlichen Schmerzes zur Hauptidee des Philoktet,und dies ist so wenig richtig, daß sogar Stellen im Laokoon sind, diegerade dagegen anzuwenden wären. Wenn er nachher die lcssingischenSätze über des Räumliche und Sureessive bestreitet, schleicht eine ähn-liche Fälschung ein. Lessing sagte zur scharfen Unterscheidung, der Malerwirke im Raume, der Dichter in der Zeit; „die Zeitfolge sei das Ge-biet des Dichters, der Raum das Gebiet des Malers;" Herderschiebt ihm aber unter: durch Zeit und Raum! Als ob es einerleiDing sei, zu sagen, der Lnftschiffer treibe sein Wesen in der Luft, derMatrose auf dem Wasser, oder jener schiffe mittelst der Luft, und mit-telst des Wassers dieser! als ob Grund und Boden und Bedingung einerKunst einerlei sei mit ihren Mitteln! Auch bei Befehdung dieser Sätzeaber leitet Herder':: blos ein peinliches Gefühl bei den Folgerungen,die sich daraus ergeben. Wir haben es schon früher angeführt, daß esihm graute vor dem SchreckenSwort: nur Handlungen solle die Poesiedarstellen! Wo blieben seine Didaktiker und Lyriker! Die Poesie solle