Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
418
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418 Umsturz d. konvcnt. Dichtung durch Verjüng. d. Naturpoeste.

übermüthigen Trotz auf die Schöpferkraft, der es gestattet sein müßte, denTon nach Willkür zn kneten, all das, was die regellosen Köpfe imJahrzehend nachmachten, die regelmäßigen verabscheuten, schrieb sicheigentlich von Herder zuerst her. Hamann selbst entsetzte sich, als er dieFolgen seiner Lehren bemerkte. Er schrieb an Herder: „Die Greuel derVerwüstung unserer Sprache, die aleibiadischen Verhunzungen desArtikels, die monströsen Wortkuppeleien, die dithyrambische Syntax undalle übrigen lioentise poetioae verdienen eine öffentliche Ahnung. DieserMißbrauch ist Ihnen so natürlich geworden, daß man ihn für ein GesetzIhre Stils ansehen muß, dessen Befngniß mir aber ganz unbegreiflichund unerklärlich ist. Liegt hier auch eine Satire ans den Libertinismusunseres ganzen Jahrhunderts zu Grunde? Bei Ihrer weiten und gründ-lichen Kenntniß der Muttersprache hat man Mühe, hier und da einendeutschen Perioden zu finden, der eine so rara avis ist, daß man sichwie ein blindes Huhn über ein gefundenes Korn freut." — NachdemHerder also in dieser neuen Redeweise unsere alte verworfen, und ori-ginale Sprache in Anspruch genommen hat, verlangt er in der zweitenSammlung auch Originaldichtung und keine Nachahmer. Er kommt aufdie Thorheit jener Vergleichungen neuerer Dichter mit alten, er deutetan, welche undankbare Mühe die Nachahmung ist, er räth, lieber treuund im Geiste zu übersetzen, als ungelenk uachzustammeln. Er beurthciltKlopstock gegen Homer, und zeigt schon die Lächerlichkeit dieser anmaß-lichen Zusammenstellungen daran, daß in Betracht dessen, was Homerfür die Nationalbildung der Griechen war, eher Gellert unser Homerheißen müßte. Er wirft daun Willamov gegen Pindar in Schatten,Geßner gegen Theokrit, die Karschin gegen Sappho; aber noch fehlt csnicht an Misgriffen, wenn er z. B. in Gleim gern mehr als im Tyrtäussehen möchte. — In der dritten Sammlung folgt eine beredte Abschwei-fung über die Herrschaft der lateinischen Sprache und Literatur überunsere ganze Bildung, und diese Sätze müssen für die Aufnahme dergriechischen Sprache auf unseren Schulen und die dadurch ganz verän-derte Gestalt unserer Philologie von großer Anregung gewesen sein. Erwünscht, wir wären lieber Sklaven des griechischen Constantinopels ge-worden, als des lateinischen Roms; es wäre uns besser in Religion,Wissenschaft und Sprache geworden. Wieder nach lessingischeu Winkenweist er von den Römern weg auf die hellenischen ächten Muster undschiebt Virgil gegen Homer, nach Klopstock's Ansicht, weit zurück. Esverdient immer wieder gelesen zu werden, waS hier Herder vortrefflich,eindringlich, mit der Geschichte zur Seite, über unsere Schulbildung,