Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
417
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Periode der Originalgciiies. — Preußen. (Herder.) 41?

und mit barbarischer Zunge von hellenischen Heiligthümern schwatz-ten. Hamann hatte ihn gelehrt auf die Sprache als ans das Vehikelder menschlichen Gedanken, den Inhalt aller Weisheit und Kunst zuachten; er läßt sich daher zuerst über die deutsche Sprache aus. DasOhr gefüllt mit der edlen Größe der Alten, die Seele überschwelleud vonder Ahnung einer größeren Dichtung, die Klopstock uns eröffnet hatte,verglich er mit diesem erhabenen Stoffe die rohe Form der deutschenVerse, die kahle Kritik des ramler'schen Batteur, den steifen Alexan-driner, und dann jene verketteten Predigtpcrioden, den plappernden Pa-ragraphenstil, den aufgeblähten Schulvortrag, die ganze pedantischeWeitschweifigkeit unserer Prosa. Er sprang hier zu dem anderen Ertremeüber, spottete des sogenannten Klassischen unserer Schreiber, bei denenAlles im langsamen Schritt wie ein beladener Maulesel trabe, verlachtediese Pedanten der Reinigkeit, die Großsicgelbewahrcr der Sprachkeusch-heit, rief die idiotistischen Schriftsteller hervor, und vertheidigte die Aus-drücke des gemeinen Lebens, den Eigensinn der Sprache, die niegewag-ten Freiheiten, daS Regellose und Eigenthümliche gegen das Klassischeund Musterhafte, den Ton der Welt gegen den der Schule, — Alles ausdem Grunde, weil unsere Sprache noch in der Zeit der Bildung, desVersuchs, der Bearbeitung stehe. Er denkt nach, von Klopstock's Odenund der Poesie der Hebräer und unserer Barden angeregt, ob nicht derpolpmetrische Numerus die natürlichste und ursprünglichste Poesie ge-nannt werden könne, ob er nicht ein Schatz für unsere Sprache, Leiden-schaft, Einbildungskraft und Musik werden, und uns als ein Maß sichempfehlen müßte, das der Phantasie keine Fesseln anlegt. Und anders-wo rechtfertigte er zu andererZeit in der Prosa den Schwung der Poesie,und verwirrte theoretisch den Begriff der Redearten, wie er ihn praktischin Prosa und Versen gleich von Anfang verwirrt hat. Denn er nahmsich sogleich die vertheidigten Freiheiten vornweg, verwarf die „süßtö-nende, lammartige Stimme, und den gebückten Ton Derer, die gernwieder geschmeichelt sein wollten, er sprach in dem bitteren Tone despatriotischen Ernstes," de» er später selbst misbilligte, schrieb in einerdithyrambischen Prosa und in einem springenden Stile, der die SchuleHamann's eben so sehr, wie ein eigenes innerliches Feuer vcrräth. Unddie Schreibweise der neuen Jugend, die Keckheit der Genialitäten, dieAnmaßungen ihres Vortrags, die Mißhandlung der Sprache im

und Tugendkrämer, dieser grobe Zänker und misanthropische Schimpfer ist ein Geschöpfder neueren Zeit, ein Weiser am! der schweizerischen Republik!"

Gerv. d. Dicht. IV. Bd.

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