Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
394
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3!>4 Umsturz d. koiweut. Dichtung durch Verjüng, der Naturpoesie.

Griechenland sein können, so wäre er auch ein Priester der Cybele geworden.Zu der Begeisterung für seine Musen, die ihn nicht bedenklich über diesenSchritt werden ließ, kam noch eine weitere Schwärmerei, die ihn zudieser Reise antrieb,die keiner seiner theneren Märker vielleicht in zweiSäeulis gemacht," und die sein für die damalige Zeit ungeheueres undnur in Dresden mögliches Projekt des Religionswechsels noch mehr inihm nährte. Er trug das Ideal einer heroischen Freundschaft mit sich,das er aus dem Alterthum nahm; er zürnte der christlichen Religion,weil sie keine Lehre und kein Beispiel der Freundschaft gebe, die ihm dieerhabenste aller Tugenden war. Er verschwendete damals seine Neigungan einen Lamprecht, der ihn zurückfticß, betrog, enttäuschte; er wolltediesen unterstützen, und sich in Rom eine Stellung schaffen, die ihn er-laubte dieses Freundes ganz zu genießen. So bitter ihn dieser, so bitterihn Mengs täuschte, dennoch konnte er nie eines Freundes entbehren,und er wähnte bald in Stosch, bald in v. Berg, bald in Franke oderRiedesel den treuen und wahren gefunden haben. Seine Freundschaftwar ganz anderer Art, als die der Gleim und Jacobi; hier scheiden sichdie Sitten und die Geschlechter. Seine Freunde waren meist schöne undjunge Männer; ersprach mit ihnen von Liebe;" er hielt die männlicheSchönheit höher als die weibliche; die Frau Mengs, auf die ihm seinFreund alle Rechte abtrat, war ihm nicht gefährlich; man deutete seineFreundesliebe ihm wie dem Sokrates und Joh. von Müller übel. Wirerkennen die Züge der freieren, genialen Lebensweise, die uns nun baldin mannichfaltiger Art begegnen werden; wir erkennen einen Mann vonantiker Gesinnung, zum Theil von anderen Seiten her, als wir bei Les-sing fanden. So hat Göthe dies heidnische Element in ihm hervorge-hoben, der überhaupt keine bessere Charakteristik geschrieben hat als dievon Winckelmann. Er deutete auf jenen Sinn, der sich auf diese Weltrichtet, auf jenes Vertrauen auf sich selbst, jenes Wirken in der Gegen-wart, jene Ergebenheit in ein übermächtiges Schicksal, auf die Liebedes Nachruhms, der selbst die Zukunft wieder auf diese Welt anweist,auf jenes sichere Ausgehen von einem gewissen Punkte zu ungewissenZielen. Wirklich war ihm Unsterblichkeit und künftige Bestimmunggleichgültig; er setzte in die Unruhe des Lebens selbst sein Ziel, in steteWirksamkeit und Thätigkeit seinen Beruf, und nicht der Glaube allein,auch der Wille schien ihm Alles möglich zu machen. Ganz antik warWinckelmann in der Aufrichtigkeit und Naivetät, mit der er seine Naturnie zu verhüllen suchte, mit der er sich allen Neigungen überließ, in ihnenaber haushälterisch war und mäßig. Ec war es selbst in seinem Glücke