Periode der Originalgenics.— Preußen. sHcrder.) 3!t3
Kunst gehen; nun habe ich nichts vor mir als die griechische Literatur.Ich finde keinen Ort als Rom geschickter, dieselbe weiter und, wenn essein könnte, aufs Höchste zu treiben. In Bezug auf die conäitio sinegua non bei dem Antrag des Pater Ranch, so streiten sich Eusebia unddie Musen bei mir, aber die Partei der Letzteren ist stärker. Die Ver-nunft, die das Gegentheil in solchem Falle thun sollte, tritt derselben bei.Sie ist bei mir der Meinung, man könne aus Liebe zu den Wissenschaftenüber etliche theatralische Gaukeleien wegsehen, der wahre Gottesdienstsei überall nur bei wenigen Auserwählten zu suchen. Ich glaube, daßich berechtigt bin, das Vorhaben mit mir nach meinen Begriffen undGewissen zu deuten. Ich glaube nicht den Pater durch meine oersoi-vn-tiones monlates zu betrügen, ich kann dieselben durch der Jesuiten eigeneLehren in diesem Punkte vertheidigcn. Gott aber kann kein Mensch be-trügen. Der Finger des Allmächtigen, die erste Spur seines Wirkens inuns, das ewige Gesetz und der allgemeine Ruf ist unser Instinkt;ihm mußte ich aller Widersetzlichkeit ungeachtet folgen. Hierin bestandbis auf Mosen Gesetz und Propheten. Die folgenden göttlichen Offen-barungen erhalten ihre Ueberzcugung nicht durch den todten Buchstaben,sondern durch göttliche Rührungen, die ich, wie vielen Gläubigen ge-schehen, billig auch an mir in stiller Anbetung erwarte." Den Absichten,die er hier vor dem Schritte auösprach, blieb er stets treu. Er sagt selbst,daß er keine Religion habe^). Ihm blieben wie Göthen die Jngendge-sühle theuer und der Genuß, den Religionsgefühle dem Herzen geben;er sang seine lutherischen Lieder, die allen Preußen jener Zeiten ans Herzgewachsen sind, in Rom fort und konnte in Unglücksfällen seinen Freun-den religiöse Tröstungen geben und lang verleugnete Empfindungen wecken.Aber was ihm in aller Religion als die letzte Wahrheit übrig blieb, dasnannte er Philosophie; sonst zweifelte und dachte er nicht viel über hei-lige Dinge, da er ganz andere Sachen zu denken habe, und hätte er in
186) Er schreibt unter Anderem: „Mein Vater hatte mich zu keinem Katholikenmachen wollen, er hatte mir ein gar zu dünnes, empfindliches Knieleder gemacht. Ichmerke, es fehlt mir noch viel zu meiner Seligkeit. Wenn ich mit der rechten Hand dasKreuz machen soll, so meldet sich die Linke. Den Aschermittwoch bin ich eingeäschertworden; ich zuckte, ans Furcht es Anrecht zu machen, mit dem Kopfe, der geheiligteDreck wäre mir beinahe ins Maul geschmiert worden. Ich habe auch gebeichtet, aller-hand schöne Sachen, die sich besser in Latein, als in der Fraumuttersprache sagen lassen.Sieben Vaterunser und sieben Ave soll ich beten; zum Unglück kann ich das Ave nicht,Paternoster brauche ich nicht. — Sollte ich Dir nicht bald Lust machen, ein Katholikzu werden?"