Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
392
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392 Umsturz d. konvent. Dichtung durch Bcrsnng. d. Naturpocstc.

Neigungen wiedererwachte. Als er den Herodot übersetzte, schrieb Boy-sen an Gleim, war es, als ob ihn ein Genius begeisterte; als er-sar's Galliea las, wollte er zu Fuß nach Frankreich reisen; und so ist eswahrscheinlich genug, daß er schon so frühe den Gedanken hatte römischzu werden, um Rom zu sehen. Daß solche Naturen wie er und Lessing,von angeborner Raschheit und Lebendigkeit, von dem Schicksale etwasgehemmt wurden, war vielleicht heilsam; der Druck konnte sie doch nichtbeugen. Gleichwohl haben wir die Nachwehcn der Unterdrückung beiWinckelmann zu bedauern. Bis zum 30. Jahre seuzte er unter der Lasteines Schulamts, die er nie ganz verwand; über seiner Kunstgeschichteempfand er später, daß ein gewisser feiner Geist schon anfing zu ver-rauchen, mit dem er sich früher ans mächtigen Schwingen zur Betrach-tung der Schönheit hob. Er sollte in jenen Jahren, wie er im Unmnthschrieb, grindige Kinder das ABC lehren, während er sehnlich wünschtezur Kenntniß des Schönen zu gelangen, nnd Gleichnisse auS Homerbetete. Wie Lessing suchte er äußerlich anständiger zu erscheinen, alsseiner Armuth gemäß war. Als er seinen Sophokles und Juvcnal er-läuterte, ahnte noch Niemand den Wiedererweckcr der Kunst in ihm, sowenig als in Lessing den Retter der deutschen Bühne, wie er seine erstenKomödien schrieb. Erst 1748 ward ihm eine dürftige Erlösung geboten;er gab seine Schulstelle gegen eine vorübergehende und uneinträglicheStelle bei dem Grafen von Bünau ans, nnd drückte die rettende Zuschriftan Mund und Brust. Er sah nun Dresden, wo die alte Prnnkliebe derKönige werthvolle Kunstschätze gesammelt hatte; der Anblick dieser Gal-lerte, der Umgang mit Künstlern und Kunstkennern, wie Oeser nndHagedorn, war für ihn, was für Lessing die Bekanntschaft mit seinenSchauspielern. Als er seine Unterhandlungen begann, katholisch zu wer-den, um das gelobte Land der Kunst zu sehen, klagte sein Freund Be-rends, wie Moses bei Lessing, über Unstetigkeit, nnd suchte ihn ans ebe-nem Wege zu halten. Aber in ihm war der Trieb nach einem zusagendenBerufe noch mächtiger als bei Lessing. Er schrieb:iXullum ingeniu»,magnnm sins mixtura äementiae." Man muß die gemeine Bahn ver-lassen, NM sich zu erheben. Die Liebe zu den Wissenschaften ist's allein,die mich bewegen konnte, diesem Anschlag Gehör zu geben. Gott unddie Natur haben wollen einen großen Maler aus mir machen, nnd Bei-den zum Trotz sollte ich Pfarrer werden. Nun ist Pfarrer und Maler anmir verdorben. Allein mein ganzes Herz hängt an der Kenntniß derMalerei und Alterthümer. Hätte ich noch das Feuer und die Munter-keit, die ich durch heftiges Studium verloren, so würde ich weiter in der