Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
378
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318 Umsturz d. konvcnt. Dichtung durch Verjüng, d. Naturpvcste.

fügend; die Färbung der Zeit hingegen ist bei Göthe verblaßt, bei La-vatcr aber in aller Frische zu finden.

Wie der Ton, in dem der Physiognom seine Freunde ankündigte,neu und unerhört war, so war das ein neues und bisher nicht gesehenesGeschlecht von Menschen, das er schildert. In der Generation, die seitdem siebenjährigen Kriege, seit Klopstock's und Lessing's Auftreten ihreJngendbildung gemacht hatte, fingen die Wirkungen, zu denen die bis-herigen Dichter und Literaten die stillen Keime gelegt hatten, plötzlichan anszuschlagcn. Ein frisches Jugendleben theilte sich durch sie demKörper der Nation mit; wir erlebten, was Maechiavelli nennt die Rück-kehr zum Zeichen, den Wiederanfang einer neuen Entwickelung mit bis-her ungebrauchten Kräften. Alles, was wir früher erlebt hatten, wardie verkündende Lehre dieser Erlösung und Verjüngung, die nun selberins Leben trat. Wir haben gesehen, wie den äußeren Sinnen neue Kraftgegeben ward durch die Freude an der todten Natur, die man vorhernicht kannte: Blockes, Drolliuger, Kleist, Geßner hatten sie unö eröffnetund lieb gemacht. Anderes reihte sich an, was dem kindlichen Begriffeaugehört: die Thierwelt war Gegenstand von Fabel und Mährchen.Wir gingen zu dem Urständ der Menschen über und verpflanzten Milton,Klopstock dichtete den großen Gesang von der Kindschaft der Menschheit;die Zeiten des Patriarchen und Hirten, die Anfänge der Völker und un-serer deutschen Urzeit wurden uns dichterisch belebt. Die Urfreundschaftgriechischer Mythen, die reizende Unschuld der Urstaatcn, die Regungender natürlichen, ungekünstelten Liebe trafen wir bald im Leben schwärme-rischer Dichter, bald in den Dichtungen nüchterner Beobachter. Es kamhinzu, daß Ossian und Homer die Nation anfingen zu beschäftigen, undein Begriff von der Urdichtung einfacher Zeiten sich bildete, den bald dieAufdeckung deutscher Volkslieder und englischer Romanzen (Ueoev'8 no-lignos >764) erweiterte. In der Religion kam man auf doppelten Sei-ten von Dogma und Convention zu Natur uud Einfachheit zurück. DieEinen verwarfen alle positive Religion und verfochten die natürliche, La-vater aber wollte zum ächten Prophetenthume und zn dem Glauben zu-rück, der Berge versetzte: er nahm für die altgewordene Zeit, die dieLuftschifffahrt erfand und mechanische Wunder verrichtete, die Wunder-gabe des Geistes und Gebets, in Anspruch. Basedow verjüngte dieSchule, den Zwang und das Herkommen brechend; er wollte die deutscheJugend frei machen von dem Eigensinne pedantischer Orbile, und dasLeben und die Erfahrung sollte den Unterricht gestalten. Alles sollte sichder neuen Jugend erfreuen. Nur das politische Leben, den Staat und