Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
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369
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Schauspiel. (Lcssing.)

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aber zugleich mit den ächten Begränzungen begleiten möchte gegen diestümperhaften Nachahmer, die die platte Natur platt kvpiren, die von kei-ner Natur wissen wollen, die man zu getreu nachahmcn könne, die dieVerschönerung der Natur für eine Grille halten, von denen Jene nichtsin der Natur zu vermeiden, Diese ihr nichts zuzusetzen finden, von denenJene das Mischspicl völlig mit allen Freiheiten vertheidigen würden,wie es nachher Lenz behandelt hat, Diese Mühe haben müßten, dasgriechische Schauspiel schön zu finden. Er will die Spanier nicht überallgut heißen, aber Shakespeare in seinen Meisterstücken retten; er will dieNatur retten, aber auch die Kunst, die Wirklichkeit sicher stellen, aberauch das Ideal. Er söhnt Shakespeare und Aristoteles aus, er stellt sichin die Mitte des gothischen und antiken Geschmacks, und dies ist ebendie Stelle, aus der das deutsche Drama seinen Gipfel erreichte. Göthetrat im Götz dem Shakespeare nahe, in der Iphigenie den Alten,Schiller trat scharf in die Mitte. So waren wir in aller plastischenund redenden Kunst immer zwischen Nord und Süd, zwischen Nieder-land und Griechenland, zwischen Natur und Ideal gestellt. Und eS istwahrlich wieder mehr als blos kritischer Verstand, was auch hier Lessingdie Natur seines Volkes mit einem einzigen Takte finden und bestimmenlehrte.

Die praktische Anwendung seiner letztgewonncnen dramatischen Ein-sicht machte Lessing in der Emilie Galotti (1772), kurz ehe mit Göthe'sGötz der große Sturm der shakespearischen Stücke hereinbrach. Sie warzunächst gegen Gerstenberg gerichtet, der schon 1765 die Braut vonBeaumont und Fletcher übersetzt, und mit einem Briefe an Weiße mitliterarischen Nachrichten über die drei größten englischen Dramatiker be-gleitet hatte, der dann in seinen Literaturbriefen die ersten speciellen Ver-theidigungen für Shakespeare schrieb und 1768 seinen Ugolino herauö-gab, eine fünfaktige höchst einförmige Qual, ein Stück ohne Plan, mitder Phantasie eines Henkers entworfen von dem Verfasser der Tände-leien, die in Wieland's läppischer Grazienmanier (1759) geschriebensind. So erreglich war die Zeit damals, so gesättigt an den Weichheitender sinnlichen Dichtungen, daß sie plötzlich zu dem entgegengesetzten Er-trcm des Blutigen und Wilden überspringen konnte, und daß Beidesbei Göthe's erstem Auftreten nebeneinander erschien. Lessing erkannteVas Jugendliche und Eigene in diesem Stücke und schonte es; er setzteihm aber schweigend das Stück entgegen, das mehr Tragisches hat, abernicht das Schreckende, was gegen Lessing'ö Aristoteles fälschlich stattdem Furchterregenden in die Tragödie gerathen war; das Stück, das

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