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4 (1853)
Entstehung
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360
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360 Wiedergcb. d. Dicht, mit. d. Einflüsse» d. Moral, ». d. Kritik.

keine Nation sind! Ich rede nicht von der politischen Verfassung, son-dern blos von dem sittlichen Charakter. Fast sollte man sagen, dieser sei,keinen eigenen haben zu wollen."

In dem Augenblick, da Lesstng in seiner Wirksamkeit für die Bühnenachließ, bereiteten sich seine großen Nachwirkungen in diesem Gebietevor; und Hamburg selbst blieb hier nicht ohne die wesentlichsten Ver-dienste. Zwar für die Theatecdichtung war hier so wenig Heil zu suchen,als in Wien. Löwender sich in allerhand Gattungen versuchte,griff auch das Schauspiel an; allein was war von solchen Leuten zuerwarten, die sich als Schüler und Nachahmer von Lesstng stellten, undso roh und plump bleiben konnten! Die Herren Schiebeler und Eschen-burg aber wußten nichts Besseres zu thun, als gleich während der Re-form der Hamburger Bühne französische Stücke zu übersetzen; Weiße'sOperngeschmacke-zu huldigen und sich in Verbindung mit Hitler zu setzen!Auch Joh. Christian Bock aus Dresden, der 1771 nach Hamburg alsTheaterdichter gerufen ward und sich williger finden ließ, ein Goldonizu werden, und der wirklich einige golvonische Stücke bearbeitet hat,war nicht der Mann, der mit seinen Stücken der Bühne hätte Anschngeben können. Das einzige Gute, was von den Männern ansging, diesich um das Hamburger Theater interesstrten, war Eschenburg's Ueber-setzung des Shakespeare (1775). Viel wichtiger aber waren in Ham-burg die Nachwirkungen Lessing's auf die Schauspielkunst, Beides,durch seine persönlichen Verbindungen mit großen Schauspielern, wiedurch seine Stücke und sein Studium der dramatischen Kunst überhaupt.Lessing's Stücke sind für die Aufführung geschrieben wie keine andern inDeutschland. Was man bei uns bühnengerechte Stücke nennt, das hatgewöhnlich an Poesie keinen Theil, und was an Poesie keinen Theilhat, ist nicht bühnengerecht in dem Sinne, wie Shakespeare's Stücke essind, und Lessing's zu sein strebten. Nie hat ein Mann auch nur entferntwieder die Einsicht Shakespeare's gehabt in das Verhältniß eines Schau-spieltertes zu den Leistungen des Spielers. Seine Zeit kannte nochnichts von der Unnatur, Schauspiele für die Lektüre zu schreiben; undwer Shakespeare liest ohne die Blindheit des Vorurtheils, das Allesvortrefflich findet, ohne zu wissen warum, wird überall beobachten kön-nen, daß die Schroffheiten der Zeichnung, die Trockenheit der Umrisse,eine gewisse grelle Symmetrie in der Vertheilung und Wahl der Cha-raktere und Handlungen häufig verursachen, daß in seinen Stücken dasGerippe aus dem poetischen Körper vorscheint, was nur durch die175) Löwen's Schriften. Hamb. 17K5.