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4 (1853)
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Schauspiel. (Lessing.)

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betrieben. Auch hier zielte man auf ein deutsches Nationaltheater, imGeiste des Patriotismus, der in den 00er Jahren durch ganz Deutsch-land fuhr, ehe, durch einige Worte Lessing's in der Dramaturgie gleich-sam hervorbeschworen, das Weltbürgerthum in den 70er Jahren undspäter den überwältigenden Rückschlag gegen diese vaterländischen Rich-tungen hervorbrachte. Diese merkwürdigen Worte waren durch dasScheitern der vielversprechenden Anstalten in Hamburg veranlaßt, zuderen Unterstützung auch Lesstng berufen ward. Man ernannte damalsLöwen zum Direktor und gab ihm zugleich auf, Vorlesungen über Schau-spielkunst und Mimik zu halten, und Lesstng sollte erst als Theaterdichterangestellt werden. Da er seine Unfähigkeit fühlte, die Rolle eines Gol-doni zu spielen, der in Einem Jahre 1,3 Stücke schrieb, und da er dieseRolle, auch wenn er gekonnt hätte, nicht spielen wollte, so lehnte er diesab, und man wollte nun seine Kritik nutzen und berief ihn, Schauspielerund Publikum durch seine Beurtheilnng der neuen Bühne zu unterrich-ten. Dieser Beschäftigung danken wir Lessing's Dramaturgie, dieMutteraller zahllosen Theaterkritiken freilich, aber auch neben Laokoon die Ur-heberin aller ächten Aesthetik in Deutschland. Leider dauerte dieseSchrift wie die ganze Herrlichkeit in Hamburg nur Ein Jahr. Löwenstellte seine Vorlesungen ein, weil er die Schauspieler zu ungelehrigfand, und freilich auch nicht der rechte Lehrer war. Lesstng unterließgleich Anfangs seine Beurtheilnng, weil die Schauspieler zu empfindlichwaren und das Publikum keine Spur von Urtheil zeigte. Bei der Unter-nehmung wurden ökonomische Fehler begangen, die Einnahme war ge-ring, Privatneid arbeitete entgegen, eine französische Gesellschaft konnte,noch während Lesstng die Dramaturgie schrieb, dem deutschen TheaterAbbruch thun, alle die glänzenden Plane gingen zu GrundeundLesstng ward so grimmig über das deutsche Publikum, daß er nach Ita-lien wollte, und hinfort trotz der lockendsten Anerbietungen nie mehr miteiner Bühne sich einließ. Er schloß seine Dramaturgie mit dem bitterenAusfall:Wenn das Publikum fragt- was ist denn nun geschehen?und mit einem höhnischen Nichts sich selbst antwortet, so frage ich wie-derum: und was hat denn das Publikum gethan, daß etwas geschehenkönne? Auch nichts, ja noch etwas Schlimmeres als nichts. Nicht ge-nug, daß es das Werk uicht allein nicht befördert, es hat ihm nicht ein-mal seinen natürlichen Lauf gelassen. Ueber den gutherzigen Einfall,den Deutschen ein Nationaltheater zu verschaffen, da wir Deutsche noch

174) Schmid's Chronologie des deutschen Theaters S. 257.