Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
358
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358 Wiedcrgeb. d. Dicht, mit. d. Einflüssen d. Moral, u. d. Kritik.

Liebhaber und Gelehrte, die sich der Bühnenpoesie annahmen; nichtRohheit der Volksklasse verleitete hier ans den Abweg der Niedrigkeit,eher war Gleichgültigkeit und vielleicht eine Sättigung von der Operher, was das Publikum stumpfer machte. Trotz aller dieser Mißständeward Hamburg die Wiege deö neuen Theaters dadurch, daß es eineSchule für Schauspieler ward, und zunächst das leistete, was Leipzigversprochen hatte. Auch hier nämlich ging mit dem neuen Leben desBühnenwesens der Schauplatz von Ober- nach Niedersachsen über.Dorther stammten die Neuber, Koch, die Hensel, die den ersten Anstoßzu einer Schauspielkunst gaben; aber Hannover gebar Schönemaun undJffland, und in Hamburg waren Eckhof und Borchers geboren, Schrö-der gebildet, und zweimal gingen von Hamburg die Männer auS, dieallein unsere Schauspielkunst zu etwas Besserem gestaltet haben. Alsdie Neuber in ihrer besten Periode stand, spielte sie zuweilen in Ham-burg; und bei dem ersten Aufschwung der dramatischen Dichtung durchGottsched übersetzten und schrieben dort Stüven, Behrmann, v. Crcuzu. A. Schauspiele mit Gottsched's Schule um die Wette. Privatleuteließen sich von dem allgemeinen Wetteifer hinrcißen, wie wir in Leipzigbei Stemel fanden. Ein Kaufmann Merz und ein Buchhalter Borkeu-stein schilderten die Hamburger örtlichen Sitten in Lustspielen, und desletzteren Posse: der Bocksbeutel (1742), ein Spott ans die unfeine Sitteund daö lächerliche steife Wesen in Deutschland, in der Art wie Hol-berg's Wochen- und Weihnachtsstube (sonst ein plattes Machwerk),machte eine Art Epoche und erlebte unzählige Nachahmungen. In diehamburgischen Wochenschriften gaben noch in den 40er Jahren Lessing,Mylius und Fuchs ihre Beiträge. Schönemann spielte seit l74l häufigiu Hamburg, der Direktor, in dessen Gesellschaft zuerst eine Art von Bil-dung erstrebt und mitgetheilt ward. 1758 kam Koch, aus Sachsen ver-trieben, an die Spitze der alten schönemann'schen Truppe, unter der sichEckhof und die Hensel befand; dies ward die Glanzperiode seiner Gesell-schaft, die Hamburg ganz genoß. Er blieb von 175963 unverrückt inHamburg, und als er 1764 nach Leipzig ging, blieb Eckhof unter Acker-mann zurück. Wir haben schon in Leipzig bemerkt, wie ungemein an-regend Koch für das Werk der Bühne war; auch hier erneute sich dies.An der Stelle der Behrmann und Stüven traten, durch ihn angeregt,Joh. Fr. Löwen ans Klausthal, Daniel Schiebeler, Joh. JoachimEschenburg und der Pastor Joh.L. Schlosser in Bergedorf, alle in Ham-burg geboren, als Theaterdichter auf, und 1767 erfolgte dann die Re-organisation der Hamburger Bühne, durch eine Direktion von Kaufleuten