Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
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357
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Schauspiel. (Lessing.)

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de» schönsten Jahre» unserer Literatur unsere großen Dichter und Schrift-steller alle mit gleicher Verachtnng und schnödem Spotte bald wie Götheüber das Publikum losfuhren, bei dem die Gebler und Stephanie schrei-ben durften und gelobt wurden, bald wie Schiller über das dürftige Ver-gnügen, das sich an dem schmutzigen Witze Blnmauer's erbaute, baldwie Nicolai über die ganze Vervumpsung des dortigen geistigen und dieEntartung des geselligen und moralischen Lebens. Wieland duldete;Jean Paul aber, der ihm in Allem entgegen war, empfand aufs tiefste,wie entfernt die ganze wiener Welt und Literatur von allem Seelenadel,von aller Verschmähung der Erde, von aller Achtung für Tugend, Schön-heit, Freiheit und höherer Liebe sei, die in allen Dichtern Deutschlandshervorguoll. Er beruft sich auf den Bierhauswitz jenergemeinen Lach-seele" Blnmauer's (auch Göthe erschrak, als er um 1820 wieder aufBlumauer stieß,wie eine so gränzenlose Nüchternheit und Plattheit aucheinmal dem Tage willkommen und gemäß sein konnte"), auf die wienerSkizzen, auf Faustin, den wiener Musenalmanach, auf den man setzenkönne: mit Approbation des Bordels; auf die berüchtigte wiener Zeit-schrift von Hoffman», von der er im Traume dachte, sein Hund schriebedaran. Auch ihn machte der thörichte Dünkel der guten Wiener vollendsso bitter. Hundert Maulwürfe von Broschüristen, sagte er irgendwo,stießen Duodczparnäßchen auf, und die darauf stehenden Wiener meinten,der Neid blicke hinauf, weil der Hochmuth herunter guckte.

In Hamburg waren die Hemmungen und Irrungen, die das Thea-ter von oben herab zu erfahren hatte, anderer Art, die dichtende Klasseverschieden von der in Wien, das empfangende Publikum ruhiger undgeduldiger. Das Theater war hier nicht eine Anstalt, die so unentbehr-lich geworden war wie in Wien; es hatte die Theilnahme der Stadtnicht aus Gewohnheit, sondern weil von der Blüte der Oper her nochein Zauber auf der Bühne lag, und weil fortwährende Kämpfe zwischendieser weltlichen Sittenschule und der geistlichen Seelenpflege das Publi-kum wach hielten. Nicht Censurdruck der Obrigkeit oder Uugebunden-heit schadete hier der Gestaltung der Bühne, sondern die Geistlichkeit;nicht adelige Dichter führten einen falschen Geschmack ein, sondern

Literatur der Wiener unbillig scheinen. Wir müssen also darauf verweisen. SchonI 74 g soll die erste Sammlung der wiener Schaubühne erschienen sein, zufolge Schmidt'sChronologie des deutschen Theaters. Diese Sammlung kenne ich nicht. Von 1754 anaber geht eine ununterbrochene Reihe lange Zeit fort, in der ein Geschichtschreiber derSpecialhistorie der österreichischen Literatur alle kleinsten Veränderungen des Theater-geschmacks verfolgen kann.